Petition für Schwangerschaftsabbrüche: Christdemokrat appelliert an CDU

Berlin taz | Joachim Volz ist ein Konservativer und Mitglied in der CDU. Träfe er seinen Parteifreund Friedrich Merz, dann würde er ihn duzen, so erzählt er es der taz. Doch Volz ist auch Gynäkologe, Chefarzt an einer Klinik in Lippstadt und befürwortet eine Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen.

Ein Thema, welches in der Debatte um die nominierte Verfassungsrichterin Frauke Brosius-Gersdorf enorm an Aufmerksamkeit gewonnen hat. Nach einer massiven Kampagne von Abtreibungsgegnern wurde die Wahl aller drei Ver­fas­sungs­rich­te­r:in­nen vor einer Woche von der Tagesordnung des Bundestags gestrichen. Zu viele Abgeordnete der Union hatten Bedenken wegen Brosius-Gersdorfs liberaler Position zum Schwangerschaftsabbruch.

Am Montag darauf startete Volz seine Petition unter der Überschrift: „Ich bin Arzt & meine Hilfe ist keine Sünde: Stoppt die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen!“ Innerhalb weniger Tage unterschrieben 117.000 Menschen. Volz’ Botschaft an den Bundeskanzler: „Es würde der CDU sehr guttun, wenn sie diese Abhängigkeit von Abtreibungsgegnern losbekommen würde.“

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Ihre Ideen sind null radikal oder links

Joachim Volz über Frauke Brosius-Gersdorf

Er sei geschockt von der „rechten Hetzkampagne“ gegen Brosius-Gersdorf, sagt Volz. Er empfinde sie als „hochintegere Frau, die ganz gute logische, auch für einen Gynäkologen nachvollziehbare Argumente für ihre Einstellung hat, die sich auch großteils mit meinen Vorstellungen decken“. Und er betont: „Ihre Ideen sind null radikal oder links.“

Große Mehrheit für liberales Abtreibungsrecht

Entgegen der polarisierten Debatte ist die Mehrheit der Deutschen für ein liberaleres Abtreibungsrecht. Laut einer repräsentativen Befragung für das Familienministerium (2024) halten es 80 Prozent für falsch, dass ein Schwangerschaftsabbruch rechtswidrig ist. Ebenfalls 80 Prozent finden sogar, dass das Recht darauf in die Verfassung aufgenommen werden sollte. Knapp 78 Prozent der Befragten befürworten die deutschlandweite Ermöglichung eines Abbruchs in Wohnortnähe und 83 Prozent finden, dass die Debatten über Schwangerschaftsabbrüche sachlich und mit wissenschaftlichen Fakten diskutiert werden sollen.

Dass die Debatte nicht entlang von Fakten, sondern häufig auf Basis von Emotionen und Moral geführt wird, war für Volz ein Grund seine Petition zu starten. Er hat viele Jahre in der Frauenklinik in Lippstadt Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen, bis im Februar dieses Jahres ein katholischer Träger das Krankenhaus übernahm. Seitdem verbieten die neuen Träger jedwede Art von Schwangerschaftsabbrüchen, selbst wenn die physische oder seelische Gesundheit der Mutter gefährdet ist.

„Das widerspricht meinem ärztlichen Verständnis, wie ich mit meinem Patienten umzugehen habe“, sagt Volz. Dennoch hat er lange überlegt, ob er diese Petition starten soll. Das sei „kein scharfes Schwert“ und könne nur wenig verändern. Er glaubt aber, dass allein die Aufmerksamkeit wichtig sei.

Joachim Volz, Gynäkologe, Lippstadt



Foto: privat


„Dass die katholische Kirche in einen wesentlichen Bereich meines Faches ohne fachliche Kompetenz reinregieren möchte, das geht nicht.“ Auch weil die Konsequenzen für seine Patientinnen, die oft mit tödlichen, fetalen Erkrankungen zu ihm kommen, verheerend sein können. Er sei daher zum Schluss gekommen, dass Ärzte für ihre Patienten aufstehen müssen.

Volz geht aber auch den juristischen Weg und klagt gegen das Verbot von Abbrüchen an seiner Klinik. Bislang ohne Erfolg. Er sei aber bereit, bis vor den Europäischen Gerichtshof zu ziehen, sagt Volz. Spätestens vor dieser Instanz rechne er mit guten Chancen zu gewinnen.

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