Nachrichten von Protesten am 1. Mai: Demo in Berlin ist komplett zerstreut


🐾 Der taz-Ticker schließt

23:54 Uhr: Die taz bedankt sich für Ihre Aufmerksamkeit. Dieser Ticker schließt für heute. Ausführliche Berichte zum 1. Mai finden Sie hier. Gute Nacht!

🐾 Revolte versinkt im Partykiez

23:50 Uhr: Die 18-Uhr-Demonstration kommt stundenlang kaum über ihren Startpunkt hinaus – nicht wegen der Polizei, sondern wegen der Partymeute. Erst gegen 22 Uhr kommt Bewegung in den Zug. Über eine verkürzte Route über den Hermannplatz erreichen die Reste der hinteren Blöcke schließlich den Südstern, den geplanten Endpunkt. Zum Redaktionsschluss der taz um 23 Uhr treffen sie dort ein.

Einen ausführlichen Bericht von Berlinredakteur Erik Peter und Bewegungsredakteur Timm Kühn zum Verlauf der Revolutionären-1.-Mai-Demonstration finden Sie hier.

Absurdeste Demoblockade aller Zeiten geht zu Ende

22.18 Uhr Berlin, Oranienstraße: Das Konzert startet doch noch. In der Masse eingekesselt stehen jetzt mehrere Polizeifahrzeuge mit Blaulicht. Die beiden Sänger stehen in Fenstern des Hauses im ersten Stotck. Die Straße davor ist rappelvoll, selbst auf geparkten Autos wird getanzt. Das sehr junge Publikum ist textsicher und feiert jeder Zeile mit. (ga)

22.10 Uhr, Berlin, Oranienstraße: Der letzte Appel zeigt Erfolg. Fast 3 Stunden nach Demobeginn kann auch der letzte Block die Engstelle wenige hundert Meter vom Startplatz entfernt passieren. Die wohl absurdeste Demoblockade aller Zeiten geht zu Ende. Jetzt folgen nur noch ein paar Polizisten und ihre Autos mit Blaulicht. (ga)

Engstelle bremst Demo weiterhin aus

22.05 Uhr, Berlin, Oranienstraße: „Achtung, Achtung!“, schallt es aus einem Lautsprecher, aber es ist nicht die Polizei. „Hier spricht die Livestreet Crew! Das ist immer noch die Demo.“ Auch der Mann fordert die Leute auf, die Straße zu räumen. (ga)

22.00 Uhr, Berlin, Oranienstraße: Immernoch hängt ein Großteil der Demo vor der Engstelle. Und es geht mal wieder nicht weiter. „Das ist immernoch ein Kampftag“, ruft eine hörbar wütende Frau aus einem Lautsprecherwagen, „wenn ihr nicht an der Demo teilnehmen wollt, dann verpisst euch!“ (ga)

Hinterer Demoteil nun mit Polizeibegleitung

21:35 Uhr, Berlin, Rio-Reiser-Platz: Nachdem sich am Rio-Reiser-Platz vier Hundertschaften zu beiden Seiten des Antifablocks aufstellen und diesen in ein enges Spalier nehmen, geht es plötzlich voran durch die Oranienstraße. Nun sieht es aus, als könnte der seit zwei Stunden feststeckende Teil der Demo nun doch noch die Route bis Neukölln laufen, wo die Demospitze längst angekommen ist. (epe)

,,Entschuldigung, was ist der 1. Mai?“

21:30 Uhr, Berlin, Oranienstraße: „Entschuldigung“, wendet sich ein Teenager an den taz-Reporter, „was ist der 1. Mai?“ Nach einem Kurzreferat über die Hauptgründe der Demo fragt er nach: „Also demonstrieren die nur für die Guten?“ Er und seine Freunde sind sichtlich erfreut und ziehen weiter. (ga)

Menschen drängen sich vor dem Klamottenladen Depot 2

21:25 Uhr, Berlin, Oranienstraße: Die Demo, oder das, was von ihr nach anderthalb Stunden Stau übrig geblieben ist, drängt sich durch eine kaum 3 Meter breite Gasse vor dem Klamottenladen Depot 2. An der Fassade des Hauses hängt ein gigantisches T-Shirt mit der Aufschrift „Kreuzberg 36“. Aus dem ersten Stock hätte neben RAPK auch DJ AbuGlitsch spielen sollen, erzählen junge Leute, die sich weiter davor drängeln. Das hätte die auf Instagram angekündigt.

Währenddessen ruft ein Ordner „Yalla, yalla!“, der die Masse durch die hole Gasse leiten will. „Antideutsche sind keine Linken!“, rufen die Demonstrant:innen. (ga)

Menschen drängen auf der Oranienstraße: Der Demozug trifft auf Menschen, die auf ein gratis Konzert hoffen

Foto: Gereon Asmuth

Antifablock steht

21:15 Uhr, Berlin, Oranienstraße: 2 Stunden nach Demostart erreicht der 5. von 7 Blöcken in Trippelschritten den Rio-Reiser-Platz, etwa 500 Meter vom Ausgangspunkt entfernt. Ab 20.30 Uhr gab die Rap-Crew RAPK hier ein Spontankonzert, das wohl endgültig zur Überfüllung der Oranienstraße führte. Die schwarz vermummten Antifas im Block zünden ein Pyrofeuerwerk nach dem nächsten. Aus dem Lauti wird sich über das Stop and Go beschwert, aber auch die Parole ausgegeben: „Wir werden heute nicht müde“. Ob dieser Teil der Demo wirklich noch sein Ziel erreicht, ist aber fraglich. Die Polizei postiert sich nun vor dem Lautsprecherwagen. (epe)

Die Polizei kann zunächst nur zuschauen

21:15 Uhr, Berlin, Rio Reiser Platz: Im Hintergrund, in Richtung Oranienplatz, leuchtet mal wieder die Straße hellrot auf, offenbar wurden dort wieder einmal Pyros gezündet. Auch zwei Stunden nach Demostart und nach kaum ein paar hundert Metern Strecke ist die Stimmung in den Blöcken des hinteren Teils der Demo ungebrochen. Am Rio Reiser Platz zeigt sich derweil eine Gruppe des 1. Mai-Stammpublikums, die bisher völlig abwesend war: die Polizei. Etliche behelmte Beamte haben sich in der Mariannenstraße postiert. Sie können zunächst aber nur zuschauen, wie aus der Demo Feuerwerk emporsteigt: Zu dicht stehen die Massen, auch hier. (tk)

Ein erster Block kommt voran

21:08 Uhr, Berlin, Oranienstraße: Nach einer Stunde Partyblockade entspannt sich die Situation. Ein erster Block kommt voran. „Heute ist kein Feiertag, heute ist Kampftag!“, rufen die Demonstrant:innen. Leuchtfeuer sprüht durch die Menge, in der die Menschen kurz zuvor so eng gepresst standen, dass einige mit Tränen in den Augen versuchten, irgendwie rauszukommen. Viel hätte nicht gefehlt, und es wäre zu einer Massenpanik gekommen. (epe)

Demo steckt in der Partymenge fest

21:00 Uhr, Berlin, Oranienstraße: Die Demo blieb komplett in der Partymenge stecken. Aus dem Haus Oranienstraße 9 sollte offenbar ein Konzert der Band RAPK gespielt werden. Die Crew ist Protagonostin, des gerade erst ins Kino gekommenen Films „Scherbenland“. In dem geht es um linke Musik in Kreuzberg in der Tradution von Ton Steine Scherben.

Gerade sagte ein Mann aus dem Haus durch die Boxen. „Solange die Demo hier nicht durch ist, passiert hier nichts. Und, damit: Guten Abend!“ Dann schloss er die Fenster mit den Boxen im 1. Stock. Die Lage auf der Straße entspannt sich nur minimal. Die Demo steckt weiter fest. (ga)

Rapperin Ikkimel gibt ein Gratis-Konzert

20:39 Uhr, Berlin-Kreuzberg: Am Mariannenplatz ist die Hölle los, Rapperin Ikkimel gibt ein Gratis-Konzert. Die überwiegend junge Menge tobt. Ein paar Videos haben es trotz des völlig überlasteten Netzes geschafft, auf X ein Bild von der Party zu vermitteln. (sum)

Von einer Demonstration kann kaum noch die Rede sein

20.30 Uhr, Berlin, Wiener Straße: Nach dem ersten Block mit mehr als 3.000 Menschen ist die Demo komplett auseinandergerissen. Die nächsten organisierten Blöcke hängen eine halbe Stunde zurück und schieben sich immer noch durch die Oranienstraße. Dazwischen laufen Teil­neh­me­r:in­nen lose wie Spa­zier­gän­ge­r:in­nen durch die Straßen, vom allgemeinen Partypublikum oft nicht zu unterscheiden. Von einer Demonstration kann kaum noch die Rede sein. (epe)

Antifablock setzt sich in Bewegung

20.15 Uhr, Berlin, Oranienstraße: Die Oranienstraße ist nicht mehr zu sehen, nur noch schwarzer Rauch. Über eine Stunde nach offiziellen Demostart setzt sich endlich auch der Antifablock in Bewegung – mit wahnsinnig viel Rums und Geknall. „Banner hoch!“, ruft jemand, dann werden schwarze Regenschirme aufgespannt und auf einmal unzählige Bengalos gezündet. Es kracht laut, Feuerwerk schießt in die Höhe. Der schwarze Block ist riesig, besteht aus etlichen hundert Menschen. Fünfzig Meter spannt sich die schwarze Masse, in deren Mitte sich das rote Feuer der Bengalos mit blauem Rauch vermischt. 1A im Takt werden dazu antifaschistische Slogans skandiert. Die taz bewertet: So einen Schwarzen Block hatte Berlin seit Jahren nicht mehr. Und das völlig ohne Polizei, die von der gesamten Demo überhaupt nicht zu sehen ist. (tk)

Partypublikum vs. Demo. vs. Görli-Zaun

20.00 Uhr, Berlin, Wiener Straße: Der Weg durch die Oranienstraße war beschwerlich. Trauben von jungen Leuten versperren immer wieder den Weg, so dass der Zug sogar stoppen muss. Viele Umstehende steigen dennoch ein, in Slogans wie „Ganz Berlin hasst die AfD“. Nach dem U-Bahnhof Görlitzer Park ist ein bisschen mehr Platz. Die Rückkehr der Demo nach Kreuzberg, zwei Jahre war sie in Neukölln verblieben, ist der Görlitzer Park, der nun entlang der Demoroute liegt und gegen dessen nächtliche Schließung seit zwei Monaten unaufhörlich protestiert wird. Die Ironie des Tages: Die Polizei hat den Zaun mit einem angehängten Bauzaun gesichert. (epe)

Görli wird wegen Überfüllung geschlossen

Der riesige Antifablock ist in Bewegung. Mit dabei sind gezündete Bengalos, Regenschirme und antifaschistische Slogans

19:37 Uhr, Berlin, Kreuzberg: Der Görli wird wegen Überfüllung geschlossen, meldet die Polizei. Verlassen könne man den Park aber natürlich noch. „Falls Sie auf dem Weg hierher waren, suchen Sie sich bitte einen anderen Ort zum Feiern“, twittern die Freunde und Helfer. (sum)

Die Demo wird rot

19:30 Uhr, Berlin, Oranienstraße: Dutzende rote Rauchfackeln hüllen die Oranienstraße in dichten Rauch. Was bei den Ultras im Fußballstadion gut aussieht, ergibt auch auf der Straße in Kreuzberg ein eindrucksvolles Bild. (epe)

Sportliche Höchstleistungen bei jungen Linken

19:25 Berlin, Oranienplatz: Der Revolutionäre 1. Mai bringt junge Linke zu sportlichen Höchstleistungen: Von zwei Ge­nos­s:in­nen auf den Händen getragen, schafft es ein junger Mann, zu einem CDU-Plakat weit oben auf einem Laternenmast zu kommen. Als das Plakat fällt, bricht großer Applaus aus. Obwohl der Wahlkampf in Berlin noch nicht offiziell losgegangen ist, plakatiert die CDU bereits seit Wochen stadtweit ihre Gesichter – wegen des laufenden Volksentscheids Berlin autofrei. (tk)

Die Demo in der Oranienstraße läuft los

19:22 Uhr, Berlin, Oranienstraße: Schließlich setzt sich die Demo dann doch noch in Bewegung. „Heute ist kein Feiertag, heute ist Kampftag“ und „Straße frei der roten Jugend“ schallt es aus dem Frontblock, in dem Dutzende rote Fahnen wehen. Die Oranienstraße vor dem Demozug ist zum Bersten mit Feierpublikum gefüllt. Die Polizei ist bis auf eine Wanne etwa 100 Meter vor der Demo nicht sichtbar. Dazwischen sind Dutzende Pres­se­ver­tre­te­r:in­nen und Streamer:innen, interessiertes Publikum, aber auch parlamentarische Beobachter wie der Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Kocak. (epe)

Alle Teile der radikalen Linken haben sich versammelt

19:15 Uhr, Berlin, Oranienplatz: Die revolutionäre 1. Mai Demonstration ist bereit loszugehen. Ganz vorne hat sich der Bund der Kom­mu­nis­t:in­nen aufgestellt. „Freiheit Frieden Solidarität“ steht auf dem Fronttransparent, das weit noch über die Köpfe der Demonstrierenden gehalten wird, dahinter ist nur ein rotes Fahnenmeer zu sehen. Weiter hinten quetschen sich auf den rappelvollen Oranienplatz die restlichen Blöcke – von der Antifa über die Migrantifa bis zum antiautoritären Block. Alle Teile der radikalen Linken haben sich hier versammelt. Im sozialistischen Banner wird auf Schildern „Klassenkampf statt Sozialpartnerschaft“ gefordert, im Antifa-Block schon mal prophylaktisch „Alle Bullen sind Schweine“ skandiert. Hier hat man sich den Block säuberlich aufgeteilt: vorne Kom­mu­nis­t:in­nen ganz in schwarz mit hammer-und-sichel Schlauchschals, hinten ist man ebenfalls ganz in schwarz, aber ohne rote Schlauchschals, dafür mit anarcho-fahnen.

Bunt ist es im antiautoritären Block, wo eine studentische, undogmatische Linke Redebeiträgen lauscht. „Wir erleben eine Klassenpolitik von oben“, ruft eine Rednerin. Weiter hinten, im antimilitaristischen block, wird der widerstand gegen die Wehrpflicht beschworen. „Es zeigt von ihrer scheiß arroganz, dass sie wirklich glauben, dass wir für ihre Kriege sterben werden“, ruft eine Redner. „Nie nie nie wieder Wehrpflicht ist die Antwort der Demonstrierenden. Vorne geht es beim Bund der Kom­mu­nis­t:in­nen indes immer noch nicht los: „Straße frei, für den ersten Mai“, ruft der Block mit geeinter stimme. Doch los geht es noch nicht. (tk)

Die Revolution startet verspätet

19:13 Uhr, Berlin, Oranienstraße: Der Demostart verzögert sich auch, weil die Polizei darauf bestand, die Auflagen ein zweites Mal, diesmal lauter, verlesen zu lassen. Verboten sind neben der Glorifizierung von Organisationen wie der Hamas erstmals auch die Darstellung von Exekutionen – so geschehen zuletzt bei einer Berliner Demo gegen die Einführung der Todesstrafe in Israel nur für Palästinenser:innen. (epe)

Bündnis Essen stellt sich quer: „Gegenprotest war ein Riesenerfolg“

18:52 Uhr, Essen: „Unser Gegenprotest war ein Riesenerfolg“ bilanziert ein Sprecher des Bündnisses Essen stellt sich quer. „Unser Versprechen steht: Wir werden alles dafür tun, um auch die NRW-Landesparteizentrale der rechtsradikalen Partei ‚Die Heimat‘ aus Essen herauszubekommen.“ (wyp)

Veranstalter*innen: 10.000 Teil­neh­me­r:in­nen in Hamburg

18:48 Uhr, Hamburg, Altona: Das Konzert läuft immer noch. Laut Ver­an­stal­te­r*in­nen sind hier 10.000. Das klingt ein bisschen übertrieben. Außer, es haben sich Leute im Schatten versteckt. Sehr viele sind es trotzdem. Gleich soll noch gelaufen werden. (amk)

Antifaschist: innen skandieren „Haut ab“ in Essen

18:43 Uhr, Essen: Unter einem heftigen Pfeifkonzert der Ge­gen­de­mons­tran­t:in­nen hat die Abschlusskundgebung des von der rechtsradikalen Kleinpartei „Die Heimat“ organisierten Neonazi-Aufmarsches begonnen. Bis 2023 war „Die Heimat“ als NPD bekannt. „Haut ab“, skandieren die Antifaschist: innen. (wyp)

Abschlusskundgebung des Neonazi-Aufmarsches in Essen: Hoffentlich ist das Pfeifkonzert der Ge­gen­de­mons­tran­t:in­nen lauter

Foto: Andreas Wyputta

Kleiner Polizeihubschrauber sorgt für Verwunderung

18:30 Uhr, Berlin, Oranienplatz: Ein Polizeihubschrauber dreht kleine Kreise über der Menschenmenge, die sich hier zur revolutionären Demo aufstellt, einige Umstehende drehen sich verwundert um, als der Hubschrauber in ihr Blickfeld gerät. Beziehungsweise ihnen fast ins Gesicht weht: Der Hubschrauber ist ein Gasballon, das Band an dem Polizeihubschrauber-Gasballon hält ein kleiner Junge in der Hand. Er sitzt auf dem Arm seiner Mutter, die sich einen Weg durch die Menge bahnt. (utasch)

Revolutionären 1. Mai-Demo auf dem Oranienplatz

Foto: Uta Schleiermacher

Faschisten sind zurück auf dem Kennedyplatz

18:29 Uhr, Essen: Nach ihrem Rundlauf durch die fast ausgestorben wirkende nördliche Innenstadt sind die Faschisten wieder zurück auf dem Kennedyplatz. Jetzt soll wohl eine Art Abschlusskundgebung folgen. Einem vermummten Neonazi-Pärchen, das schon abhauen will, empfiehlt die Polizei die Nutzung der U-Bahn. (wyp)

Zurück auf dem Kennedyplatz: Eine Art Abschlusskundgebung soll noch folgen

Foto: Andreas Wyputta

Handy-Netze im Görlitzer Park sind überlastet

18:15 Uhr, Berlin-Kreuzberg: Die Handy-Netze im Görlitzer Park und der näheren Umgebung sind völlig überlastet. Ein User kommentiert boshaft auf X: „Die Revoluzzer müssen alle ihre Erlebnisse nach Hause senden.“ taz-Reporter können ihre Eindrücke nur mit Verzögerung in die Redaktion übermitteln, beziehungsweise nur, wenn sie den Ort des Geschehens für eine Weile verlassen. Derweil zeigen Videos auf Social Media, wie tausende junge Menschen beim Rave im Görlitzer Park „Merz leck Eier“ skandieren – aus Protest gegen die Wehrpflicht. (sum)

Leute schwingen Palästina- und Antifa-Fahnen

18:15 Uhr, Hamburg Altona: Der Sound ist leider grottig, aber Leute hören vom Dach eines Parkhauses dem Konzert zu, skandieren „Siamo tutti antifascisti“ und schwingen Palästina- und Antifa-Fahnen. Die Sonne knallt und die Ord­ne­r*in­nen weisen vergeblich auf das Alkoholverbot hin. Der Abend bleibt sehr warm. (amk)

„Nazis raus“ in Essen

18:16 Uhr, Essen: Entlang der gesamten Strecke des Neonazi-Aufmarsches ist der Gegenprotest unüberhörbar. „Ruhrpott nazifrei“ rufen die Antifaschist: innen immer wieder – und: „Nazis raus“. (wyp)

Görlitzer Park wegen Überfüllung teilweise geschlossen

18:14 Uhr, Berlin-Kreuzberg: Am Görlitzer Park sind wegen des großen Andrangs zwei Tore als Eingänge gesperrt worden. Sie seien nur noch als Ausgänge nutzbar, sagte eine Polizeisprecherin. Mit Lautsprecherdurchsagen macht die Polizei darauf aufmerksam. Wegen der Menschenmassen sind auch die umliegenden Straßen für Autos gesperrt.

Im Görlitzer Park protestieren zur Stunde Tausende mit einen „Rave against the Zaun“ gegen die nächtliche Schließung des Parks, die seit Anfang März jeden Abend um 22.00 Uhr erfolgt. Dafür waren 16 Eingangstore aufgebaut worden. Um sie vor den Menschenmassen beziehungsweise erwartetem Vandalismus am 1. Mai zu schützen, hat die Polizei die neuen Tore teilweise wiederum mit einem Zaun geschützt. (sum/dpa)

Die Demoblöcke stellen sich auf in Kreuzberg

18.10 Uhr, Berlin, Oranienplatz: In der Oranienstraße hat sich der Frontblock der Revolutionären 1. Mai-Demo aufgestellt, organisiert, wie schon in den vergangenen Jahren vom Bund der Kommunist:innen, eine anti-imperialistische Gruppe, die sich vor allem auf die Organisierung in Arbeiterkiezen konzentriert.

Thematischer Schwerpunkt ist der Kampf „gegen Militarismus und sozialen Kahlschlag“, wie ein Sprecher der taz am Rande sagte. Ihr Banner mit dem Slogan „Freiheit, Frieden, Solidarität“ wird die Demo anführen. 6 weitere thematische Blöcke werden folgen, darunter ein Antifablock, der antiautoritäre von der Interventionistschen Linken und ein anrurassistisch-feministischer Block von der Migrantifa. (epe)

„Verpisst euch“, rufen An­woh­ne­r:in­nen

18:07 Uhr, Essen: Die Neonazis sind jetzt in der Straße Gänsemarkt. „Verpisst euch“, rufen An­woh­ne­r:in­nen aus Dachfenstern. (wyp)

Polizei lässt Nazis laufen

18:00 Uhr, Essen: Die Polizei lässt die Faschisten jetzt doch durch die nördliche Innenstadt marschieren – vorbei an türkischen vietnamesischen und griechischen Bars. Deren Be­sit­ze­r:in­nen schauen angewidert. (wyp)

Nazis planen ihren Abgang in Essen

17:41 Uhr, Essen: Die Neonazis nehmen „Aufstellung“ – und wollen den Kennedyplatz unter massiver Polizeibegleitung in Richtung der Straße „II. Hagen“ verlassen. (wyp)

🐾 Einen ausführlichen Bericht von unserem Korrespondenten Andreas Wyputta über die Nazi-Demo und den Gegenprotest in Essen lesen Sie hier.

Fahnen flattern kurz

17:36 UHR Hamburg Altona: Vor dem Modeladen Ernstings Family weht eine RAF-Fahne neben einer Kuba-Fahne. Kurz danach ist sie weg. (amk)

U-Bahnhöfe in Kreuzberg gesperrt

17:35 Uhr, Berlin-Kreuzberg: Auch der U-Bahnhof Kottbusser Tor wurde wegen Überfüllung geschlossen, meldet die Polizei auf X. Damit sind in der 1-Mai-Party-Zone Kreuzberg nun 3 Bahnhöfe gesperrt: U1 und U3 halten nicht mehr an Görlitzer Bahnhof, Kottbusser Tor und Hallesches Tor. Wer von dort weg will, muss laufen oder Rad fahren. (sum)

Nazis träumen von Remigration und kündigen ihren Rückzug an

17:35 Uhr, Essen: Auf dem Kennedyplatz hetzen Neonazi-Redner weiter gegen Zugewanderte – und träumen von massenhafter Remigration. Allerdings: Der Rückmarsch, wohl Richtung Hirschlandplatz und des weniger als einen Kilometer entfernten Hauptbahnhofs, ist bereits angekündigt worden. (wyp)

Ohne Tanzen keine Revolution

17.30 Uhr, Berlin, Oranienplatz: Seit zwei Stunden laufen auf der Bühne am Startpunkt der Revolutionären 1. Mai-Demo Musicacts und Reden. Die Rapperin Antifuchs animiert ein paar hundert junge Leute ihren Mittelfinger in die Luft zu strecken, hinter ihr spannt ein Banner mit der Aufschrift „Hoch die internationale Solidarität“.

Am Rand verkaufen Jugendliche an einem Stand Durstlöscher für 2 Euro, jeder einzelne beklebt mit Botschaften zu Palästina und Kurdistan. Rings um den O-Platz mit seiner hohen Dichte schwarzer Caps, roter Hals- und Palitücher, lauten dagegen die zentralen Fragen: Sitzt mein Outfit und Bier oder Aperol?

Kreuzberg platzt aus allen Nähten, am Demo-Startpunkt ist noch reichlich Platz. (epe)

Kai Wegner will friedlich feiern

17:25 Berlin-Kreuzberg: Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat kurz vor Beginn der 18-Uhr-Demo betont, Gewalt werde nicht akzeptiert. „Wir sind bestens vorbereitet, wenn es darum geht, Ausschreitungen zu verhindern. Jeder darf in Berlin demonstrieren, jeder darf hier feiern, gerade am 1. Mai. Aber es muss friedlich sein“, sagte Wegner bei einem Besuch der Feuerwache in der Wiener Straße in Kreuzberg.

Im Laufe der Jahre sei der 1. Mai friedlicher geworden, auch weil die Polizei mit einer großen Präsenz vor Ort sei, so Wegner. „Die ganz aktive linksextreme Szene, die damals noch damals Steine warf, Barrikaden baute, die ist vielleicht etwas weniger geworden. Sie ist in anderen Bereichen jetzt unterwegs.“ Welche das seien, sagt er nicht. (sum/dpa)

Konzert vor der linksradikalen Demo in Hamburg

17:15 UHR Hamburg, Altona: Zwischen Bahnhof Altona und dem ersten Innenstadt-Ikea Deutschlands in der Großen Bergstraße warten tausende Leute auf Disarstar. Boxen sind neben Palästina-, Antifa- und einer Marx-Engels-Lenin-Fahne aufgebaut. Das Konzert eröffnet den linksradikalen 1. Mai in Hamburg, hier startet 18 Uhr die revolutionäre 1. Mai Demo aus dem ML-Spektrum. Zeitgleich geht der anarchistische Schwarz-Rote 1. Mai am Arrivati-Park los. Kommi oder Anarcho? In Hamburg muss man sich heute entscheiden. (amk)

Grunewald-Demo auf dem Rückweg

17.00 Uhr, Berlin, Stadtautobahn A 100: Die Rad­fah­re­r:in­nen sind auf dem Rückweg aus dem Villenviertel Berlin-Grunewald in ihre angestammten Reservate. Das Demo-Radio, das aus Boxen vieler Lastenräder schallt, spielt Drum ’n’ Bass.

Mit Musikeinlagen, einer Zaubershow, Pyro und Mitmachspielen haben entspannte und gut gelaunte Linke den Kiez im Südwesten eingenommen – ohne jeden Stress mit der massiv anwesenden Polizei.

Die Beteiligung blieb dabei weit hinter den Rekordwerten der letzten Jahre zurück. (epe)

Tausende Antifas und ein paar hundert Nazis

16.55 Uhr, Essen: Auf dem Kennedyplatz stehen tausende An­ti­fa­schis­t:in­nen etwa 200 Neonazis gegenüber. Distanz: wenige hundert Meter.

Verschwinden sollen die Neonazis, wünschen sich die Gegendemonstrant:innen. Ein Neonazi-Redner faselt unterdessen etwas vom „Tag der deutschen Arbeit“ und vom Hass auf die Bundesrepublik als Staat. (wyp)

Neonazis trampeln auf Kennedy rum

16.30 Uhr, Essen: Die Neonazis sind losmarschiert – und stehen jetzt abgeschirmt von einem massiven Polizeiaufgebot auf dem zentralen Kennedyplatz in der Essener Innenstadt.

Abgeschirmt von der Polizei: Ein paar hundert Nazis demonstrieren am Nachmittag in Essen

Foto: Andreas Wyputta

Deutsche Polizisten schützen die Faschisten“ und „Nie wieder Faschismus“ rufen die Gegendemonstrant:innen. Sehen können sie die Neonazis kaum: Die Rechtsextremen werden von einer Wagenburg aus Polizeifahrzeugen verdeckt. (wyp)

Festivalzone im Treptower Park

16.20 Uhr, Berlin, Treptower Park: Das Gebiet vom Treptower Park bis zum Schlesischen Busch hat sich vollends zur Festivalzone gewandelt. Auf den Rad- und Fußwegen ist kaum noch Durchkommen, von allen Seiten dröhen sich überlappende Techno-Beats. Ein politischer Charakter ist kaum noch zu erkennen, es überwiegt eine ausgelassene Feierstimmung.

Im Vorfeld hatte der Bezirk Treptow-Köpenick alle Versammlungen im Treptower Park aus Sorge um die frisch bepflanzte Grünfläche untersagt. Die Open Airs finden nun auf der extra dafür gesperrten Puschkinallee statt. Offiziell angemeldet sind sie als politische Versammlungen: gegen das Clubsterben, gegen den Weiterbau der Stadtautobahn A 100. Eine Veranstaltung trägt den Titel „Mehr Live Musik in Berlin, zu wenig Raum für Künstler im öffentlichen Raum“. Eine andere: „Bass verbindet – Hass verschwindet“. (wah)

Fotografen dürfen bei der AfD nicht fotografieren

16.15 Uhr, Schönebeck: Vor dem Eingang der AfD-Veranstaltung stehen mehrere freie Fotograf:innen. Sie würden von der privaten Security nicht aufs Gelände zur öffentlichen Parteiveranstaltung gelassen, erzählen sie der taz. Die Polizei vor Ort habe ihnen nicht geholfen.

Auf welcher rechtlichen Grundlage der Einschnitt in die Pressefreiheit erfolgt? Leider ist kei­n:e Pres­se­spre­che­r:in der Polizei bei der Veranstaltung, um das zu beantworten. Auf telefonische Anfrage heißt es allerdings von der Polizei, das Recht, Presse auszuschließen, liege beim Veranstalter. Die Veranstaltung der ESN sei privat, entsprechend bestehe Hausrecht. (dmn)

200 Nazis laufen los

16.10 Uhr, Essen: Nach stundenlangem Warten beginnen rund 200 Neonazis ihre Demo in Essen. (JCs)

Partypeople drängeln sich in Kreuzberg

16.00 Uhr, Berlin, Schlesisches Tor: Haben Sie gedacht, die Demos am 1. Mai wären gut besucht? Unüberblickbare Menschenmassen an Partyvolk drängen sich derweil durch Kreuzberg. Alle U-Bahnen sind hoffnungslos überfüllt, die Bahnsteige so verstopft, dass Menschen weder rein- noch rauskommen. Die BVG hält an den meisten Stationen nicht mehr, transportiert die Menschen teils nur noch gegen ihren Willen an die Warschauer Straße, auf die andere Seite der Spree. Auf der Skalitzer Straße alle paar Meter eine riesige Menschentraube, von überall dröhnen Bässe. Das Myfest mag es nicht mehr geben – an der Menge an Partywütigen hat das nichts geändert. (tk)

Auch im Görlitzer Park in Kreuzberg ist kein Fleck Grün mehr zu erkennen, Tausende sind in den Görli geströmt, um Teuterekordz, Tiefbasskommando und Co. zu lauschen. „Hoch die internationale Solidarität“, skandiert die feiernde Menge. Auf der Bühne wehen Palästina- und Sozialismusflaggen. Es wird Sangria aus Tetrapaks getrunken, die angesoffene Jugend wirft sich in Moshpits vor der Bühne gegeneinander. Von den politischen Reden ist kaum etwas zu hören, zu leise die Lautsprecher. Deutlich wird trotzdem: „Der Görli bleibt auf!“ Am 1. Mai sind die De­mons­tran­t*in­nen mit ihrer Forderung erfolgreich: Der Zaun um den Görli wird heute Abend nicht abgesperrt. Auf den umliegenden Häuserdächern haben sich Jugendliche versammelt und beobachten das rege Geschehen. Um 18 Uhr soll von hier eine Zubringerdemo zur Revolutionären 1.-Mai-Demo starten. (ls)

Hinter den Barrikaden: Die Ge­gen­de­mons­tran­t:in­nen auf dem Kennedyplatz in Essen

Foto: Andreas Wyputta

Hier geht nichts mehr: Überfüllter U-Bahnhof in Kreuzberg

Foto: Timm Kühn

Mehr als 10.000 bei Hamburger Umverteilungsdemo

16.00 Uhr, Hamburg: Der Sprecher von „Wer hat, der gibt“ spricht von 12.000 Menschen bei der Demonstration. Das seien mehr als im vergangenen Jahr.

Die Polizei will sich noch nicht festlegen, hat es nicht ganz so dicke und gibt nur einen „mittleren vierstelligen Bereich“ durch. (amk)

Nazis wollen um 16 Uhr in Essen loslaufen

15.45 Uhr, Essen: Auf dem Hirschlandplatz verkündet der Versammlungsanmelder der Nazi-Demo, Claus Cremer, die fehlenden Kameraden seien angekommen und man werde um 16 Uhr mit dem Demozug durch die Essener Innenstadt ziehen. Zuvor waren sie lange von der Polizei aufgehalten worden. (JCs)

„Sprengt den Wal – und das Kapital!“

15.30 Uhr, Berlin, Kurfürstendamm: Die Stimmung auf dem Ku’damm ist heiter. „Friedrich Merz! Leck meine Eier!“, wird unter allgemeinen Gelächter skandiert – oder: „Sprengt den Wal – und das Kapital!“. Und immer wieder: „What solution? Revolution!“.

Nicht wenigen Touris am Straßenrand sagt’s zu. „Ganz klasse find ich das, ehrlich“, sagt ein niederländischer Familienvater. Dort gebe es keine Demonstrationen zum Ersten Mai, er sympathisiere sehr. „Nur das mit dem Kapital“, das verstehe er nicht so ganz. „Wenn man Geld verdienen kann, ist das doch gut, oder?“ Früher habe er aber auch mal an einer Hausbesetzung teilgenommen, erzählt er. (tk)

Transparent und Luxuskarosse: Begegnung ungewohnter Art auf dem Berliner Ku’damm

Foto: Timm Kühn

Volksfeststimmung in Kreuzberg

15.17 Uhr, Berlin-Kreuzberg: Auf der Wiese auf dem Mariannenplatz vor dem Bethanien herrscht Volksfeststimmung. Überall liegen Menschen mit Kaltgetränken, eine Gruppe Jugendlicher spielt Bierball. An Ständen verkaufen An­woh­ne­r:in­nen Essen, politische Initiativen informieren über ihre Inhalte. Ein Auf der Bühne am Feuerwehrbrunnen spielt eine Punkrock-Band. Deutlich voller sollte es ab 19.15 werden: Die provokante wie populäre Atzen-Rapperin Ikkimel ist als Hauptakt angekündigt. Das Fest der Linken zeigt: Politik und Party muss am 1. Mai kein Widerspruch sein. (wah)

Einhorn-Hüpfburg für AfD-Kinder

15.15 Uhr, Schönebeck: Der Präsident der ESN, quasi der Gastgeber des AfD-Familienfests in Sachsen-Anhalt, hat eine Videobotschaft geschickt. Sie läuft auf der Bühne mit englischen Untertiteln, aber ohne Ton. Technikprobleme.

Auf der anderen Seite des Platzes spielen Kinder in einer Einhorn-Hüpfburg. Davor warten offenbar Eltern mit verschränkten Armen. Zwischen Bühne und Hüpfburg gibt es kaum Schatten. Ret­tungs­sa­ni­tä­te­r:in­nen haben schon mehrere Be­su­che­r:in­nen mit Tragen in den Schatten gefahren und versorgt. (dmn)

Hunderte Festnahmen im Westen, scharfe Kritik im Osten Istanbuls

15.00 Uhr, Istanbul: Die von der kommunistischen TKP („Türkiye Komünist Partisi“) organisierte Demonstration im Istanbuler Stadtteil Kartal auf der asiatischen Seite Istanbuls verläuft bislang ruhig. Vor einer großen Bühne sprechen Rednerinnen und Redner über Arbeitsrechte, Frauenrechte, Korruption und die wirtschaftliche Lage in der Türkei.

Zudem wird Kritik an der Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan laut: „İşçiler hesabı AKP’den soracak“(„Die Arbeiter werden die AKP zur Rechenschaft ziehen.“)

Auch Nejat Yavaşoğulları tritt auf, Sänger der türkischen Rockband Bulutsuzluk Özlemi, die seit den 1980er Jahren für ihre gesellschaftskritischen und linken Texte bekannt ist. (dt)

Bei Protesten auf der europäischen Seite Istanbuls sind Aktivisten zufolge mittlerweile hundert Menschen festgenommen worden. Bis zum frühen Nachmittag seien 370 Menschen festgenommen worden, teilte der Anwaltsverein CHD im Onlinedienst X am Freitag mit. Die Polizei sprühte aus Einsatzfahrzeugen heraus Tränengas auf die Demonstranten, wie Reporter von AFP und taz beobachtet hatten. (afp/taz)

Tausende bei „Wer hat, der gibt“ in Hamburg

Da sieht man ja den Lauti vor lauter Bäumen nicht: „Wer hat, der gibt“-Demo in Hamburg

Foto: Amira Klute

15.08 UHR, Hamburg, Jungfernstieg: Zwischen Luxusmarkengeschäften und Binnenalster glitzert das Banner von „Wer hat, der gibt“ am Lauti. Der Platz ist voll, mehrere tausend, vorwiegend junge Menschen stellen sich zum Demozug auf. Einige haben sich Eiscafé von Starbucks geholt, andere Aperol und Sekt im Beutel dabei. Die Demo des Bündnisses aus linken Gruppen war in den letzten Jahren die am besten besuchte linke Demo am 1. Mai – obwohl nicht alle einverstanden sind mit den relativ zahmen Forderungen nach Umverteilung. Es geht wie in den letzten Jahren durch eins von Hamburgs Villenverteln mit hohem Durchschnittseinkommen. (amk)

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Rechter Youtuber bitte AfD um Plastikstrohhalme

15.05 Uhr, Schönebeck: Mittlerweile war der AfD-Spitzenkandidat für Sachsen-Anhalt auf der Bühne und hat die Be­su­che­r:in­nen begrüßt. Es ist sicherlich eine vierstellige Anzahl Menschen in den kleinen Ort an der Elbe gekommen. Essen und Trinken sind an den Ständen gratis, die ESN übernehme alle Kosten, sagt ein Sprecher der AfD.

Auf der Bühne spricht der Youtuber Kolja Barghoorn, bekannt als „Aktien im Kopf“. Er trat schon vergangenes Jahr für die AfD auf die Bühne. An diesem 1. Mai beendet er seine Rede mit der Bitte, die AfD solle Plastikstrohhalme zurückbringen. (dmn)

Antifa reklamiert Berliner Ku’damm für sich

14.50 Uhr, Berlin, Kurfürstendamm: Unter dem Wirbel einer Trommelgruppe ganz in Pink setzt sich die feministische Antifa-Demo den Ku’damm herunter in Bewegung. Lila und schwarz-rote Fahnen prägen das Demobild. Es ist voll geworden, etwa 1.000 junge Menschen haben sich hinter dem Fronttransparent „Täter, Kriege, Kapital, Widerstand ist unsere Wahl“ versammelt. Kommunistische Gruppen, mit denen sich die Or­ga­ni­sa­to­r:in­nen im Vorfeld zerstritten hatten, sind nicht zu sehen. Stattdessen sind viele Punks hier, Anarchie-Fahnen werden gewedelt.

„Who’s street? Our street“, tönt es im lila vermummten Frontblock. Doch zur Konfrontation mit reichen Shoppern kommt es zunächst kaum – weil der 1. Mai immer noch ein Feiertag ist, haben die Boutiquen am Straßenrand geschlossen. Nur eine ältere Frau mit Designertasche und Rollator zeigt der Demo einen Vogel, ohne dass das in der Demo einen Reaktion erzeugt. In Abwesenheit des Klassenfeinds wendet sich der Demozug den Po­li­zis­t:in­nen zu. „Ohne Helm und ohne Knüppel seit ihr nichts“, schallt es den Po­li­zis­t:in­nen entgegen. Die ist zwar zahlenmäßig stark präsent, halt sich aber zunächst zurück. (tk)

„Ehe, Küche, Vaterland: unsere Antwort: Widerstand!“, schallt es aus der feministischen Antifa-Demo, auf Höhe der Schaubühne. Eine Frau in einem Eiscafé am Straßenrand nickt im Takt der Parole und zeigt mit der Hand ihre Zustimmung. (utasch)

Jan van Aken erinnert an Helmut Kohl

14.45 Uhr, Hamburg, Jungfernstieg: Jan van Aken (Die Linke) tritt auf die Bühne der „Wer hat, der gibt“-Demo und sagt seinen Signature-Satz: „Ich bin Jan van Aken und ich finde, es sollte keine Milliardäre geben.“ Er sagt, er findet, es sollte eine Vermögensteuer geben, und erntet fetten Applaus. Seine Forderung sei ihm ein bisschen peinlich, war es doch einst ’ne Forderung von Helmut Kohl (CDU). Aber: „Ich glaube fest daran, dass wir das gemeinsam gewinnen.“

Auf den Hamburger van Aken haben viele gewartet, jetzt hat er nur sehr kurz gesprochen. Also Nächstes spricht Ansgar Ridder, Sprecher des Bündnisses „Wer hat, der gibt“. Er zählt die Angriffe der Bundesregierung auf Rechte von Beschäftigten und den Sozialstaat auf. „Sie wollen immer mehr von uns und wir bekommen dafür immer weniger.“ (amk)

Jungliberale wollen keine Armen mehr sehen

Die Julis spielen Rebellentum

Foto: Erik Peter

14.30 Uhr, Grunewald, Berlin: Gegendemo der Julis: Hinter einer Polizeisperre nahe des Johannaplatzes haben sich die Jungen Liberalen zu einer Gegenkundgebung aufgestellt – und passen sich dem allgemeinen satirischen Charakter an. 10 Jung-Kapitalist:innen haben sich einem Transpi versteckt: „Ihr wollt keine Reichen mehr! Wir wollen keine Armen mehr!“ Nur eine Ecke weiter tanzen Linke zu den Bässen vom Adenauer SRP. (epe)

AfD feiert Familienfest an der Elbe in Sachsen-Anhalt

14.15 Uhr, Schönebeck: Ein paar Kilometer südlich von Magdeburg, direkt an der Elbe, feiert die AfD ein Familienfest. Also, eigentlich ist es die rechtsextreme Fraktion des EU-Parlaments Europa der Souveränen Nationen (ESN). Später soll auch ein Abgeordneter der FPÖ sprechen. Aber die größte Gruppe in der ESN-Fraktion bildet die AfD, und hier in Sachsen-Anhalt prägt sie beim Sommerfest maßgebend das Bild. Ein halbes Dutzend Stände tragen das Logo der Partei. Die Sonne brennt, es gibt kühles Bier.

Bunte Spuren in der Nähe des AfD-Familienfestes an der Elbe

Foto: David Muschenich

Lauter Gegenprotest? Fehlanzeige. Allerdings zeigen mit Kreide geschriebene Parolen, dass trotzdem nicht alle mit der AfD einverstanden sind. „Liebe ist stärker als Hass“, „Wir bleiben bunt“ und „FCKAfD“ steht in vielen Varianten über den Platz verteilt auf dem Boden. (dmn)

„Erst unsere Jobs, dann eure Profite“

14.09 Uhr, Essen: Nur wenige hundert Meter entfernt von den Neonazis entfernt fordern Ge­werk­schaf­te­r:in­nen auf dem Burgplatz den Erhalt des Sozialstaats. Ihr Motto: „Erst unsere Jobs, dann eure Profite.“ Es diskutieren auch Nordrhein-Westfalens SPD-Landesvorsitzende Sarah Philipp und der Landeschef des CDU-Arbeitnehmerflügels, Daniel Scheen-Pauls. (wyp)

Lautstarker Protest bremst Nazi-Kundgebung in Essen

14.00 Uhr, Essen: Der Gegenprotest gegen den Nazi-Aufmarsch ist laut und stark – und bremst die Rechtsextremen aus. Auf den Hirschlandplatz habe es bisher nur etwa 100 Neonazis geschafft. Auch auf dem Theaterplatz vor dem Grillo-Theater stehen Antifaschist: innen. Die Neonazis sind damit fast eingekesselt. (wyp)

Auge in Auge: Po­li­zis­t:in­nen und Ge­gen­de­mons­tran­t:in­nen in Essen

Foto: Andreas Wyputta

Die Nazis können aber auch deshalb nicht loslaufen, weil 30 bis 40 rechtsradikale Versammlungsteilnehmer am Altenessener Bahnhof festgehalten werden. Grund ist laut Polizei eine Auseinandersetzung am Dortmunder Hbf. (JCs)

Gewerkschaftsdemo im asiatischen Teil Istanbuls

13.38 Uhr, Istanbul: Während es in Şişli und Mecidiyeköy weiter zu Polizeieinsätzen mit Tränengas gegen Demonstrierende kommt, verlaufen die Kundgebungen in Kadıköy auf der asiatischen Seite Istanbuls bislang ohne größere Zwischenfälle.

Die Demonstrationen dort werden unter anderem von den Gewerkschaftsverbänden DİSK und KESK organisiert. Auch die CHP, die größte Oppositionspartei der Türkei, ist vertreten. Parteichef Özgür Özel kritisiert die massiven Polizeisperren rund um den abgeriegelten Taksim-Platz.

Die kommunistische TKP („Türkiye Komünist Partisi“) organisiert ihre Mobilisierung vor allem im Istanbuler Stadtteil Kartal auf der asiatischen Seite der Stadt, fordert aber weiterhin Kundgebungen auf dem Taksimplatz. (dt)

4-Stunden-Tag bei vollem Lohnausgleich

13.40 Uhr, Berlin, Alexanderplatz: Auf der Endkundgebung der DGB-Demo werben Gewerkschaften und Initiativen in kleinen roten Zelten um Mitglieder und Ideen. Mit dabei ein Stand der 4-Stunden-Liga. Wie der Name schon vermuten lässt, fordern die Ak­ti­vis­t:in­nen den 4-Stunden-Tag – bei vollem Lohnausgleich. „Zahlen soll das Kapital“, erklärt ein Mitglied, das lieber anonym bleiben möchte. Gerade in Zeiten von Personalabbau böte sich die Möglichkeit, Arbeitszeit zu reduzieren und gleichzeitig Arbeitslosigkeit zu verringern, so der Aktivist. „Der DGB will den 8-Stunden-Tag verteidigen. Wir wollen in die Offensive“. (wah)

Jeweils gut 10.000 bei DGB-Demos in Berlin und Hamburg

14.10 Uhr: Bei den großen Gewerkschaftsdemos in Berlin und Hamburg waren laut Veranstalter jeweils gut 10.000 Menschen. (wah, amk)

Undogmatische Szene flutet den Grunewald

13.30 Uhr, Berlin-Grunewald: Die Show beginnt. Die hedonistische, undogmatische Szene flutet den Grunewald. Gleich fünf Bühnen haben die Or­ga­ni­sa­to­r:in­nen im Viertel aufgestellt, überall gibt’s Showprogramm und Mitmachspiele.

Ein zentrales Konfliktfeld hat es auch ans andere Ende der Stadt geschafft: der Görlitzer Park. Eine Wand, die den Zaun symbolisiert, der seit März den Park in der Nacht verschließt, lädt mit kippbaren Symbolen vom Regierenden Bürgermeister Kai Wegner, Polizisten und Kameras zum Abwerfen ein – stilecht mit Tennisbällen. Überhaupt, der Lieblingssport Wegners, vor allem zu Stromausfall-Zeiten, ist omnipräsent, auf Schildern und in Kostümen.

Die Hauptbühne am Johannaplatz, die mit bunten Rauchtöpfen ihre Eröffnung feiert, schmückt ein Transparent, mit einer Zündschnur, die die verbleibenden Tage des Konservativen an der Spitze des Senats zählt. 142 Tage noch bis zur Wahl des nächsten Abgeordnetenhauses. (epe)

Zum Abwerfen: die Proteststellwand in Berlin-Grunewald

Foto: Erik Peter

Neonazis in Essen geschützt von der Polizei

13.24 Uhr, Essen: Geschützt vor der Polizei stehen die Neonazis auf dem Hirschlandplatz in der Essener Innenstadt. Auf dem Hans-Toussaint-Platz stehen den Neonazis hunderte Ge­gen­de­mons­tran­t:in­nen direkt gegenüber. (wyp)

Die ca. 150 bis 200 Nazis werden derweil am Hirschlandplatz vom Grillotheater aus mit Trommeln gestört. (JCs)

Giffey reiht sich ein in der Arbeitereinheitsfront

13.21 Uhr, Berlin-Alexanderplatz: Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey stellt bei der DGB-Demo im BSR-Outfit die Ar­bei­te­r:in­nen­nä­he der SPD wieder her. (wah)

Eingereiht: Franziska Giffey in Orange am Alexanderplatz

Foto: Jonas Wahmkow

An­ar­chis­t:in­nen beenden Demo um 13.12 Uhr

13.12 Uhr, Magdeburg: Anarchistische Demo ist beendet.

Auffällig ist: Obwohl in Sachsen-Anhalt am 6. September die Landtagswahl ansteht und die rechtsextreme AfD in Umfragen führt, spielte das bei der Demo in keiner Rede eine Rolle. Warum? Ein Indiz dafür gibt die Ansprache eines FAU-Gewerkschaftsmitglieds. „Uns gehen die Parteien am Arsch vorbei!“, ruft er. Er fordert stattdessen „direkte Aktionen“, also Streik vor Ort oder gemeinsam gegen Ver­mie­te­r:in­nen demonstrieren. (dmn)

Antifa will den Ku’damm runterziehen

13.12 Uhr, Berlin, Henriettenplatz: Eine Idee, die in linken Kreisen schon länger herumschwirrt, wird Realität: Am 1. Mai die Luxusmeile Ku’damm herunter. Zu verdanken ist diese Demoinnovation der Feministischen Antifa Jugend Organisation Charlottenburg (F_Ajoc). Am Auftakt versammelt sich ein sehr junges Publikum: linke Skinheads mit schwarz-roten Fahnen, Jugendliche in Antifafahnen und Kufiyas gehüllt, Grüppchen, die allesamt lila Schlauchschals tragen. Pünktlich zur symbolischen Startzeit schallen Beats über den Platz. Die Polizei rechnet mit 400 Teilnehmer:innen. (tk)

„Ruhrpott nazifrei“

13.11 Uhr, Essen: Der Hans-Toussaint-Platz ist voller Antifaschist:innen, die gegen die Neonazis demonstrieren.

Bunt ist der Protest auf der DGB-Demo: SPD, Grüne und Linke sind genau dabei wie die MLPD und die Antifa. „Ruhrpott nazifrei“ und „der 1. Mai ist unser Tag“ rufen die Demonstrant:innen. (wyp)

Mie­te­r:in­nen­ge­werk­schaft bei der DGB-Demo

13.05 Uhr, Berlin, Rotes Rathaus: Die DGB-Demo trudelt langsam am Endpunkt am Alexanderplatz ein, Bratwurstgeruch liegt in der Luft. Laut Veranstalter nehmen mehr als 11.100 Menschen teil.

Einer der letzten Blöcke ist die Mieter:innengewerkschaft. Ein Aktivist in riesigem Bärenkostum erregt Aufmerksamkeit. Ziel der Gewerkschaft sei es, Mie­te­r:in­nen kollektiv gegen Eigentümer zu organisieren, erklärt Aaron Pfeiffer von der Initiative. Die Ak­ti­vis­t:in­nen hätten durch Haustürgespräche und Organizing erste Erfolge erzielt: In Lichtenberg hat ein Vermieter die Wohnfläche systematisch zu hoch angegeben, die Mie­te­r:in­nen fordern nun ihre Rechte ein. „Die Leute haben Angst vor den Vermieter:innen, aber die nehmen wir ihnen“, erklärt Pfeiffer. Das radikalste Mittel sei ein gemeinsamer Mietstreik. Der sei denkbar, wenn Mie­te­r:in­nen­ge­werk­schaf­ten etwas weiter verbreitet sind. (wah)

Omas gegen rechts bei Protesten in Essen

12.44 Uhr, Essen: Auch die „Omas gegen rechts“ sind am Start beim Protest gegen den Neonazi-Aufmarsch. (wyp)

Daumen hoch und Kopfschütteln für die An­ar­chis­t:in­nen

12.45 Uhr, Magdeburg: Die anarchistische Demo ist mittlerweile in Magdeburgs Innenstadt angekommen. „Hoch die internationale Solidarität“, skandieren die Teil­neh­me­r:in­nen auf dem Weg zum Hasselbachplatz. Eine ältere Frau mit Umhängetasche hebt im Vorbeilaufen den Daumen. Mehrere Jugendliche, die vor einem Dönerimbiss an Tischen sitzen, beobachten mit aufgerissenen Augen den vorbeiziehenden Protest, sprechen Ord­ne­r:in­nen an, ob das eine linke oder rechte Demo sei. Ein Mann mit einem T-Shirt der regionalen Fußballgröße 1. FC Magdeburg schiebt kopfschüttelnd einen Kinderwagen vorbei. (dmn)

Kritik am Polizeieinsatz in Istanbul

12.43 Uhr, Istanbul: Der Vorsitzende der linkssozialistischen TIP („Türkiye İşçi Partisi“), Erkan Baş, kritisiert das harte Vorgehen der Sicherheitskräfte: „Menschen wollen den 1. Mai feiern. Die Antwort darauf sollten nicht Tränengas, Schlagstöcke und Barrikaden sein“, sagt Baş. (dt)

„Nieder mit der Nazipest“-Rufe in Essen

12.38 Uhr, Essen: Die Spitze der DGB-Demo ist am Hauptbahnhof angekommen. „Ob Ost, ob West – nieder mit der Nazipest“, rufen auch die Gewerkschafter:innen. (wyp)

Marxisten mit Bollerwagen am Fischmarkt

12.35 UHR, Hamburg: Am Fischmarkt leiert ein Grüppchen MLPDler mit Bollerwagen vorbei und singt über ein paar Mikros verstärkt die Internationale. Vor dem Hafenpanorama haben ein paar junge Kommis ihr Banner gedropt, das schon gestern beim Konzert von Disarstar auf der Bühne war: „1. Mai 17 Uhr Bhf Altona“ plus Hammer und Sichel. Da tritt der Rapper mit Klassenstandpunkt heute nochmal auf und dann startet da die revolutionäre 1.-Mai-Demo, die in diesem Jahr, statt durch traditionelle Ar­bei­te­r*in­nen­vier­tel im Osten Hamburgs wie sonst, mitten durchs linksgrüne und ziemlich bürgerliche Ottensen läuft. (amk)

Polizeibarrikade in Istanbul durchbrochen

12.35 Uhr, Istanbul: In Mecidiyeköy gelingt es Demonstrierenden zeitweise, eine erste Polizeibarrikade zu durchbrechen. Angeführt wird die Gruppe unter anderem von Erkan Baş, dem Vorsitzenden der linkssozialistischen TIP („Türkiye İşçi Partisi“).

Die TIP gehört zu den sichtbarsten oppositionellen Parteien bei den diesjährigen 1.-Mai-Protesten in Istanbul und mobilisiert vor allem junge linke und urbane Milieus.

Trotz einzelner Durchbrüche kontrolliert die Polizei weiterhin zentrale Zufahrten Richtung Taksim. (dt)

Streitigkeiten über Krieg in der DGB-Demo in Berlin

12.35 Uhr, Berlin, Karl-Marx-Allee: Während bei der Notwendigkeit zum Klassenkampf Einigkeit herrscht, kommt etwas weiter hinten in der DGB-Demo zu Meinungsverschiedenheiten in der Außenpolitik. Ein aufgepumpter Jungkommunist im Polohemd, der ein Schild mit der Aufschrift „Frieden mit Russland und China“ trägt, ruft „Nato raus aus der Ukraine“. Prompt erwidert eine schwarzgekleidete Gruppe: „Russland raus aus der Ukraine“.

Weiter hinten auf der Gewerkschaftsdemo wird der Sound radikaler. „Klassenkampf von oben begegnet man nicht mit Sozialpartnerschaft, sondern mit Gegenwehr!“, ruft eine Verdi-Aktive vom Lautsprecherwagen. Sie wirbt für einen Kurswechsel in den großen Gewerkschaften. „Schaut in unsere Nachbarländer, politischer Streik funktioniert!“

In Belgien hatte Ende März ein Generalstreik gegen Kürzungen im Sozialbereich das ganze Land lahmgelegt. Das sei auch in Deutschland möglich: „Es ist jetzt Zeit, in die Gewerkschaft einzutreten!“ (wah)

Tag der Gastro­ar­bei­te­r:in­nen in Kreuzberg

12.30 Uhr, Berlin, Kottbusser Damm: In Bezirk wappnen sich Spä­ti­be­sit­ze­r:in­nen und Gastro­ar­bei­te­r:in­nen für den Ansturm – allerdings nicht der Revolutionäre, sondern des Partyvolks. Technobeats schallern aus Cafés, auch die ersten Grüppchen in Glitzer und mit Prosecco in der Hand streifen durch die Kieze. Bisher sind die Straßen noch ziemlich leer, wie an einem Sonntagmorgen. Aber es liegt was in der Luft. (tk)

Es ist angerichtet: Die Versorgung am 1. Mai in Kreuzberg ist gesichert

Foto: Timm Kühn

Bella Ciao in Magdeburg

12.30 UHR, Magdeburg: Bevor die rund 150 Teil­neh­me­r:in­nen der Anarcho-Demo weiterziehen, singen sie gemeinsam Bella Ciao, begleitet auf einer Banjolele. Das Instrument ist ein Mix aus Banjo und Ukulele. Dann zieht die Demo durch ein ruhiges Wohngebiet. „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat“, skandieren die Anarchos in den ersten Reihen. Eine Frau schaut aus dem Fenster, die Augenbrauen fragend gehoben. Als eine Demonstrantin das sieht, hält sie ihr Demoschild hoch. „Krieg dem Krieg“, steht darauf. Die Frau am Fenster guckt weiterhin mit zweifelndem Blick auf die Demo. (dmn)

Polizei will die rund 500 Nazis von Gegenprotest in Essen trennen

12:15 Uhr, Essen: „Wir werden den Nazis direkt gegenüberstehen“, erklärt ein Redner bei der Gegendemo vor dem Essener Hauptbahnhof.

Doch das Konzept der Polizeiführung ist klar: Neonazis und Ge­gen­de­mons­tran­t:in­nen sollen möglichst weit auseinander gehalten werden. Unklar ist deshalb noch, ob das Bündnis „Essen stellt sich quer“, das gegen den Aufmarsch von geschätzt 500 Faschisten mitten im Kern des Ruhrgebiets protestieren wird, wie gefordert in „Sicht- und Hörweite“ der Rechtsextremen gelangen kann. (wyp)

Keine Steine, aber frische Windel in Magdeburg

12.00 Uhr, Magdeburg: Die Anarcho-Demo ist bei ihrer Zwischenkundgebung angekommen. Teil­neh­me­r:in­nen suchen im Schatten Schutz vor der warmen Sonne. Etwa 30 Po­li­zis­t:in­nen begleiten den Mai-Protest.

Das Bahnhofsgebäude in Buckau hat schon bessere Tage gesehen. Von zwölf Fenstern sind sieben eingeschmissen. In einem Redebeitrag geht es um sozialverträgliche Möglichkeiten, wie der Kiez schöner werden kann.

Im Schatten hebt ein sehr junges Kind einen faustgroßen Stein auf und wirft ihn einen halben Meter vor sich auf den Boden. „Wir schmeißen heute keine Steine“, sagt ein Mann mit roter Mütze tadelnd. Er hebt das Kind hoch und legt es in einen Kinderwagen. „Aber du bekommst jetzt eine frische Windel.“ (dmn)

„Kuehne, Otto und Herz, ihr habt zu Fielmann“

12.00 Uhr, Hamburg-Altona: Die DGB-Demo nähert sich der Bratwurst oder dem Fischbrötchen bei der Endkundgebung am Fischmarkt. Jugendliche halten die internationale Solidarität hoch, vor dem Bahnhof Altona singen die älteren Semester vom DGB-Chor. Ein Schild „Kuehne, Otto und Herz, ihr habt zu Fielmann“ übt Kritik am Überreichtum einiger bekannter Hamburger Unternehmer.

In Hamburg wohnen rund 42.000 Millionär*innen. Nirgendwo sonst ist die Dichte höher. Wo passt die Losung „Geld ist da! Ran an die Reichen!“ der Wer-hat-der-gibt-Demo, die im Anschluss um 14.30 Uhr am Jungfernstieg startet, besser als hier? (amk)

Polizeikessel in Istanbul

11.55 Uhr, Istanbul: In Mecidiyeköy kommt es zu weiteren Festnahmen. Die Polizei geht gegen Demonstrierende vor und fixieren einzelne Personen auf der Straße. Mehrere Demonstrierende reagieren mit Solidaritätsrufen und heben während der Festnahmen die Fäuste. Trotz der massiven Polizeisperren versuchen kleinere Gruppen weiterhin, sich Richtung Taksim zu bewegen. Demonstrierende werden von Polizeieinheiten eingekesselt. Vor den Absperrungen skandieren Gruppen: „Kurtuluş yok tek başına, ya hep beraber ya hiçbirimiz“ („Es gibt keine Rettung allein – entweder gemeinsam oder niemand von uns“). Der Slogan gehört seit Jahren zu den bekanntesten Parolen linker und gewerkschaftlicher Protestbewegungen in der Türkei. (dt)

Mehrere Tausend bei der DGB-Demo in Berlin

11.50, Berlin, Strausberger Platz: Die DGB-Demo läuft los. Mittlerweile sind es mehrere tausende Teilnehmer:innen. Ganz vorne mit dabei: der Block der Berliner Krankenhausbewegung. Erst vor wenigen Tagen hat die Charité den 2021 hart erkämpften Entlastungstarifvertag gekündigt. Grund: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken kürzt das Pflegebudget zusammen.

„Das ist ein direkter Angriff auf das Personal“, sagt Charité-Pflegerin Franziska Aurich. Dieser erste Mai stellt daher auch den Auftakt zu einer neuen Runde Arbeitskämpfe an den Berliner Kliniken dar. „Wir stellen uns auf eine harte Auseinandersetzung ein“, sagt Aurich, aber die Pfle­ge­r:in­nen seien „kampfstark und gut organisiert“. (wah)

Polizei wartet auf Nazis und Gegenprotest in Essen

11.40 Uhr, Essen: Für die Proteste gegen den Neonazi-Aufmarsch heute in Essen hat die Polizei mächtig aufgefahren. (wyp)

Abwartend: Polizei in Essen

Foto: Julian Csép

Anarchos laufen in Magdeburg

11.30 Uhr, Magdeburg: Anarchische Demo läuft. „Merz an die Ostfront!“ und „Klasse gegen Klasse!“ rufen die rund 150 Teilnehmer:innen. In den schmalen Gassen von Magdeburg-Buckau hallt das ziemlich laut wider. (dmn)

Losziehend: die Anarcho-Demo in Magdeburg

Foto: David Muschenich

Mehr Polizei als De­mons­tran­t:in­nen in Istanbul

11.20 Uhr, Istanbul: In Mecidiyeköy im Istanbuler Stadtteil Şişli versammeln sich weiterhin mehrere hundert Menschen zu den Protesten rund um den 1. Mai. Die Polizeipräsenz übersteigt die Zahl der Demonstrierenden deutlich. Rund um den Platz stehen Bereitschaftseinheiten, Wasserwerfer und Mannschaftswagen bereit.

Die Demonstrationen werden vor allem von kleinen linken und feministischen Gruppen sowie Studierenden getragen. Sichtbar vertreten ist auch die TIP, die „Türkiye İşçi Partisi“ (Arbeiterpartei der Türkei), eine linkssozialistische Partei mit starker Unterstützung unter jungen urbanen Wählerinnen und Wählern. Daneben beteiligen sich anarchistische Gruppen und verschiedene sozialistische Initiativen.

Die Polizei kontrolliert weiterhin zentrale Zugänge rund um Şişli und Mecidiyeköy. Größere Demonstrationszüge Richtung Taksim gelten derzeit als unwahrscheinlich. (dt)

Hochgerüstet: Polizei am Rande der Proteste in Istanbul

Foto: Derya Türkmen

Schnellkurs in Anarchie in Magdeburg

11.20 Uhr, Magdeburg: Auf der Anarcho-Demo in Magdeburg hält Anmelder Sebastian Grambow von der FAU einen kurzen Lehrvortrag über Anarcho-Syndikalismus, weil auch auf dieser Demo sicherlich viele nicht wüssten, was das sei. Bei der „Maloche“ sollten Ar­bei­te­r:in­nen gemeinsam für ein solidarisches Miteinander kämpfen, ohne festgefahrene Strukturen. „Wir brauchen keine allwissenden Kader, sondern gebildete Kolleg:innen“, erklärt Grambow. Die soziale Revolution, die Hauptaufgabe der syndikalistischen Gewerkschaft, funktioniere nur ohne, nicht im Nationalstaat.

Zum Schluss argumentiert auch er gegen Krieg. „Wenn Ar­bei­te­r:in­nen auf Ar­bei­te­r:in­nen schießen, gewinnt nur die besitzende Klasse“, ruf Grambow. Dann übersteuert die Box komplett. Kurzes Gelächter. Ein Mann in traditioneller Tischler-Zunftkleidung skandiert: „Hoch die internationale Solidarität!“ Mehrere dutzend Teil­neh­me­r:in­nen steigen ein. (dmn)

Ge­werk­schaft­le­r:in­nen sammeln sich auf der Karl-Marx-Allee

11.15 Uhr, Berlin, Strausberger Platz: Hunderte Teil­neh­me­r:in­nen der Berliner DGB-Demo sammeln sich auf der Karl-Marx-Allee. Am U-Bahnhof versuchen Mitglieder kommunistischer Kleinstgruppierungen die Be­su­che­r:in­nen der traditionellen Gewerkschaftsdemo zum radikalen Klassenkampf zu motivieren. Doch angesichts des Großangriffs auf gewerkschaftliche Errungenschaften wie dem 8-Stunden-Tag durch die Merz-Regierung gibt sich der DGB in seinem Motto dieses Jahr mit der minimalistischen Forderung „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ zufrieden. (wah)

Nazis warten auf die Bahn

11.15 Uhr, Dortmund Hbf: 15 bis 20 Nazis warten am Vordereingang des Hbf, um um 11.30 Uhr als Gruppe nach Essen zu fahren. (JCs)

Hamburger DGB-Demo formiert sich

11.00 Uhr, Hamburg-Ottensen: In Hamburg-Ottensen formieren sich mehrere tausend Menschen zur größten DGB-Kundgebung der Stadt. Die Demo ist traditionell von Gewerkschaften, aber auch linken und linksradikalen Gruppen geprägt. Alle paar Meter ein neuer Redebeitrag. Beschäftigte von Airbus fordern Streikrecht, eine Person von der DKP-Jugendorganisation SDAJ spricht über Altersarmut von Frauen. Die Initiative Nolympia gegen Hamburgs Olympiabewerbung, steht vor dem klassenkämpferischen Block vom Roten Aufbau und Young Struggle. Gleich geht’s los zur Abschlusskundgebung am Fischmarkt. (amk)

Klassenkampf in Sachsen-Anhalt

11.00 Uhr, Magdeburg: Bei der anarchistischen Demo sind mittlerweile genug Ord­ne­r:in­nen und noch ein paar mehr Leute hinzugekommen. Mehr als hundert hören dem ersten Redebeitrag zu. Auf Englisch geht es in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt um internationalen Klassenkampf und gegen den Krieg der Nationen. (dmn)

Auf in den Gruni!

11.00 Uhr, Berlin, Brandenburger Tor: Die beiden Fahrrad-Zubringer mit den Mottos „Parkplätze zu Tennisplätzen“ und „Autoverbote verbieten“ sind am Brandenburger Tor angekommen, um von hier in einem großen Konvoi Richtung Berlin-Grunewald zu radeln. Seit 2018 besuchen die Aktivist:innen, organisiert von der Hedonistischen Internationale, am 1. Mai den Grunewalder „Problemkiez“, um auf dort verbreitete Missstände wie Steuerkriminalität und Parallelgesellschaften aufmerksam zu machen. Jedes Jahr schlüpfen die Teil­neh­me­r:in­nen dafür in andere Rollen. In diesem Jahr steht alles unter dem Motto: „Gefahrenabwehr für Berlin: Kampfmittelbeseitigungsdienst entschärft sozialen Sprengstoff“. Angehen möchte man gegen „explodierende Mieten“. (epe)

„Parkplätze zu Tennisplätzen“: Fahr­rad­fah­re­r:in­nen vor dem Brandenburger Tor auf dem Weg in den Berliner Grunewald

Bild: Erik Peter

Überraschung: Keine militanten Ausschreitungen im Berliner Speckgürtel

Die Spitze der DGB-Demo in Essen

Foto: Andreas Wyputta

10.55 Uhr, Bernau bei Berlin: Der Chef vom Dienst von taz.de verlagert seinen revolutionären 1.-Mai-Arbeitsplatz vom Gartenhäuschen auf die Veranda. Lage im nördlichen Speckgürtel von Berlin erstaunlich ruhig, bislang keine militanten Ausschreitungen im Ortsteil Friedenstal von Bernau bei Berlin zu vermelden. Nicht mal Menschen auf der Straße. Die taz behält die Lage im Blick. (rru)

An­ar­chis­t:in­nen lassen Fahne in Magdeburg wehen

10.35 Uhr, Magdeburg: Eine rot-schwarze Fahne der anarchistischen FAU-Gewerkschaft baumelt lasch auf dem Thiemplatz. Etwa 80 Personen, viele in schwarzer Kleidung, warten auf den Demo-Start. Eigentlich sollte es um 10 Uhr losgehen, aber noch fehlen Ordner:innen. (dmn)

Plattenlabel fordert Vinylpreisbremse

10.30 Uhr, Berlin: Ohne Musik keine Revolution. Das ist nicht nur allen, die in den Mai tanzen, klar. „Wenn ich nicht tanzen kann, ist es nicht meine Revolution“, soll schon die US-Anarchistin Emma Goldman gesagt haben.

Aber das sieht nun das Berliner Indiependentlabel staatsakt gefährdet. Denn „falls die Straße von Hormus weiterhin blockiert bleibt und falls es tatsächlich noch Monate dauern sollte, bis man sich davon überzeugt haben wird, dass keine Unterwasserminen mehr dort herumschwimmen, dann wird auch der Vinylpreis in den nächsten Wochen und Monaten massiv ansteigen“, schreibt das Label in seinem Newsletter zum 1. Mai. Wegen Welthandel und so. Deshalb wolle man die Bundesregierung und „besonders den für uns Kul­tur­ar­bei­te­r:in­nen zuständigen DJ Weimer“ um eine Vinylpreisbremse bitten.

Die taz hatte gerade dessen Rücktritt gefordert. Aber da Wolfram Weimer sich eh nicht an unsere Vorschläge hält, bleibt er der richtige Ansprechpartner. Und für alle Demos heute gilt: „Schluss mit dem Krieg, wir wollen tanzen!“ (ga)

Tränengas in Istanbul

10.05 Uhr, Istanbul: Die Polizei beginnt mit ersten Interventionen gegen Demonstrierende in Şişli. Einsatzkräfte umstellen Gruppen auf dem Platz und verhindern Bewegungen Richtung Taksim. Wasserwerfer und Tränengas kommen zum Einsatz.

Mehrere Aktivistinnen und Aktivisten berichten von kurzzeitigen Festnahmen. Die Stimmung bleibt angespannt. Immer wieder skandieren Demonstrierende den Slogan:„Her yer Taksim, her yer direniş“ („Überall ist Taksim, überall ist Widerstand“).

Der Ruf wurde während der Gezi-Proteste 2013 bekannt und gilt bis heute als zentrales Symbol oppositioneller Protestbewegungen in der Türkei.

Eine Studentin vor Ort zieht Parallelen zu den Protesten im März: „Es ist wie bei den Märzprotesten. Es gibt keine Strategie, die Barrikade zu durchbrechen – und daran scheitert es meistens.“

Die Aussage verweist auf ein strukturelles Problem vieler oppositioneller Mobilisierungen in Istanbul: Zahlreiche kleine Gruppen agieren parallel, jedoch ohne gemeinsame Strategie gegen die massiven Polizeisperren. (dt)

🐾 Walpurgisnacht in Berlin: Keine Nacht ohne Macker

10.00 Uhr, Berlin: Jetzt online: Der Bericht von Lilly Schröder zur Walpurgisnacht-Demo in Berlin am Abend vor dem 1. Mai. Bei der „Take back the night“-Demo demonstrieren nach taz-Schätzung 3.000 Fe­mi­nis­t*in­nen gegen patriarchale Gewalt, die Polizei nennt eine niedrigere Zahl. Die Demo ist cis-männlicher als in der Vergangenheit.

Ikkimel oder Revolutionäre Demo?

09.55 Uhr, Berlin-Neukölln, Hermannplatz: Während sich die Zubringer-Fahrraddemo in den Grunewald sammelt, hört man aus den umstehenden Kleingruppen immer wieder den Namen „Ikkimel“. Die feministische Pop-Ikone wird, wie die Linkspartei am Vortag voller Stolz auf allen Kanälen verbreitete, am Abend auf dem Parteifest auf dem Kreuzberger Mariannenplatz auftreten, nach DJ Gysi und Alli Neumann. 19.15 Uhr mag Primetime für Künst­le­r:in­nen sein, aber es ist auch die Zeit der größten linksradikalen Demo des Jahres. Die eh schon virulente Frage Party oder Protest? stellt sich damit für viele noch einmal ganz akut. Oder ist es einfach so, wie eine Userin auf Bluesky schreibt? „Ikkimel IST die revolutionäre 1. Mai Demo.“ (epe)

Polizeiabsperrungen in Istanbul

09.30 Uhr, Istanbul: Bereits am Vormittag sperrt die Polizei zentrale Straßen rund um Mecidiyeköy und Şişli. Wasserwerfer werden positioniert, Zufahrten Richtung Taksim kontrolliert. Kleinere Demonstrationszüge versuchen sich auf dem Platz zu sammeln. (dt)

Alle reden von Revolution, wir reden vom Wetter

09.30 Uhr, Deutschland: Auf die Menschen in Deutschland wartet heute ein Maifeiertag wie aus dem Bilderbuch. Vorausgesagt sind viele Sonnenstunden und frühlingshafte Temperaturen. Überall soll die Sonne scheinen bei demonstrativ angenehmen Höchsttemperaturen von 20 bis 25 Grad. Also nichts wie raus zum Wannsee oder ins Freibad um nach einem erfrischenden Anschwimmen danach zur Demo zur gehen. (ga)

Tausende bei Frauenprotest in Berlin

08.30 Uhr, Berlin: Mehre tausend Menschen haben an der traditionellen Frauendemonstration am Vorabend des 1. Mai in Berlin-Kreuzberg teilgenommen. Nach Angaben der Polizei waren schätzungsweise 2.600 Menschen unterwegs. Ein ausführlicher Bericht folgt bald auf taz.de (dpa, ga)

Der Protesttag im Liveticker

08.00 Uhr, Berlin: Der 1. Mai ist der Tag der Demonstrationen schlechthin. Die taz ist heute wieder an vielen Stellen dabei und berichtet von Ort. Schnell hier im Liveticker, etwas ausgeruhter dann zu den Protesten in verschiedenen Städten. (ga)

Die demonstrative Vielfalt in Berlin

08.00 Uhr, Berlin: Unser Schwerpunkt liegt auch in diesem Jahr wieder auf den Protesten in Berlin. Dort beginnt um 11 Uhr die traditionelle Gewerkschaftskundgebung des DGB.

Danach wird es bunter: Ab 12 Uhr veranstaltet am Görlitzer Park in Kreuzberg das Kulturkollektiv „Rave Against The Zaun“ mit weiteren Gruppen eine Protestsause gegen den Zaun, der den Park neuerdings nachts abriegelt (außer am 1. Mai).

Das My-Gruni-Bündnis macht sich um 13 Uhr wieder auf in das Berliner Problemviertel Grunewald. Dieses Jahr unter dem Motto „Kampfmittelbeseitigungsdienst entschärft sozialen Sprengstoff“. Wie immer gibt es auch mehrere Fahrrad-Zubringer-Demos.

Der unangefochtene Star des Abends ist und bleibt aber die Revolutionäre 18-Uhr-Demonstration. Die größte linksradikale Demo der Republik wird auch in diesem Jahr wieder Zehntausende anziehen, die vom Oranienplatz zum Görli und dann über die Sonnenallee zum Südstern laufen werden. (ga)

Die Proteste in Hamburg

08.00 Uhr, Hamburg: Auch an der Elbe stehen die Ge­werk­schaft­le­r:in­nen als Erste auf. Der DGB demonstriert um 10 Uhr am Lohbrügger Markt, Bergedorf, und ab Harburger Rathaus, ab 10.30 Uhr an der S-Bahn Ottensen.

Danach wird es auch in Hamburg radikaler: „Wer hat, der gibt“ 14.30 Uhr Jungfernstieg; „Revolutionärer 1. Mai“ 18 Uhr Bahnhof Altona; „Schwarz-roter 1. Mai“ 18 Uhr Arrivati-Park. (ga)

Nazis in Essen und so

08.00 Uhr, Essen: Rechtsradikale wollen den 1. Mai ebenfalls für sich vereinnahmen. In Essen will der NPD-Nachfolger Die Heimat auflaufen. Auch Gegenproteste sind angekündigt. 

Ein ähnliches Programm zeichnet sich in Braunschweig ab. (ga)

🐾 Worum es am 1. Mai geht, eine Debattensalve aus der taz

Worum geht es am 1. Mai? Ist das tatsächlich noch oder wieder der Kampftag der Arbeiter:innen? Oder ist das zum längst Partytag verkommen? Darüber haben in den vergangenen Tagen taz-Redakteur:innen nachgedacht.

Wird es wieder so voll? Die Revolutionäre 1.-Mai-Demo in Berlin vor einem Jahr

Foto: Sebastian Gollnow/dpa

„Der Klassenkampf braucht Gegenwehr“, schreibt Timm Kühn in einem Essay. Denn die CDU attackiere alle Erfolge von 150 Jahren Arbeiter:innenbewegung. Seine einzige Hoffnung: die Linksradikalen.

„Alle Jahre wieder“, betitelt Amira Klute ihren Text über den 1. Mai als Ritual für Ausdauernde. Und erklärt aber auch, warum es trotzdem wieder auf die Straße geht.

„Raver, vereinigt euch!“, schreiben Erik Peter und Lilly Schröder in ihrem Text über die Parallelwelten am 1. Mai in Berlin: Während die einen ein entpolitisiertes Straßenfest feiern, halten andere am Revolutionsanspruch fest. (ga)

Dieser Liveticker wird betextet von Amira Klute (amk), Andreas Wyputta ( (wyp) , David Muschenich (dmu), Derya Türkmen (dt), Erik Peter (epe), Gereon Asmuth (ga), Jonas Wahmkow (wah), Julian Csép (JCs), Lilly Schröder (ls), Rainer Rutz (rru), Susanne Memarnia (sum), Timm Kühn (tk)

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