Die nächste Belastungsprobe der irisch-israelischen Beziehungen lässt nicht lange auf sich warten. Nach der Kontroverse um den irischstämmigen Musiker Ed Sheeran, dem sämtliche Begleitbands bei seiner US-Tournee abgesprungen sind, weil der Rapper Macklemore wegen angeblich antisemitischer Äußerungen ausgebootet worden war, geht es diesmal um Fußball: Irland ist bei der Nations League ausgerechnet gegen Israel ausgelost worden.
Seit dem Hamas-Überfall am 7. Oktober 2023 hat Israel keine internationalen Fußballspiele mehr ausgerichtet. So findet das Spiel am Sonntag im Nagyerdei-Stadion im ungarischen Debrecen statt. Da der irische Verband FAI wegen der zu erwartenden Proteste kalte Füße bekommen hat, wird das irische „Heimspiel“ eine Woche später sicherheitshalber hinter verschlossenen Türen in der abgelegenen serbischen Stadt Bačka Topola ausgetragen.
Das wird die Situation kaum beruhigen. Laut einer Umfrage lehnen 75 Prozent der irischen Fans die bevorstehenden Spiele gegen Israel ab. Heimir Hallgrímsson, der isländische Trainer der irischen Fußballnationalmannschaft, sagte: „Ich halte es für gefährlich, nicht zu spielen. Wir richten 2028 die Europameisterschaften aus. Was ist, wenn Israel bei der EM in unserer Gruppe ist?“
Das könnte passieren, denn der europäische Fußballverband hält zwar Spanien und Gibraltar, Armenien und Aserbaidschan sowie die Ukraine und Russland getrennt, aber der irische Antrag, von Israel ferngehalten zu werden, wurde abgelehnt, weil es keine Vorgeschichte eines „direkten Konflikts“ gebe.
Reduzierte TV-Berichterstattung
Einige der Spieler „fühlen sich wirklich unwohl“ dabei, die Spiele bestreiten zu müssen, sagte Hallgrímsson und betonte, dass Israel aus demselben Grund ausgeschlossen werden sollte, aus dem Russland von der Fifa und der Uefa gesperrt wurde. Er fügte hinzu: „Wir spielen nicht mit Völkermord, wir spielen gegen Völkermord.“ Wegen dieses Satzes will der israelische Fußballverband eine formelle Beschwerde bei der Uefa einreichen.
Der öffentlich-rechtliche Sender Raidió Teilifís Éireann (RTÉ) wird seine Berichterstattung auf das Nötigste beschränken. Es wird keine Studioberichterstattung rund um das Spiel geben, und die Übertragung wird von den von der Uefa benannten Kommentatoren übernommen.
Mittlerweile haben 170 irische Sportler einen Brief an die irische Nationalmannschaft gerichtet und die Fußballer aufgerufen, die Spiele gegen Israel zu boykottieren. Der irische Nationalspieler Séamus Coleman sagte, er kenne „den Unterschied zwischen Recht und Unrecht“, aber die Israel-Debatte „hätte nicht auf unserem Rücken ausgetragen werden dürfen“.
Der ehemalige irische Nationalspieler Kevin Kilbane wurde deutlicher: „Irland sollte nicht gegen Israel spielen. Nicht, solange israelische Streitkräfte Völkermord begehen. Doch die FAI hat es vermasselt.“
Ein anderer Ex-Nationalspieler, der 55-jährige Kenny Cunningham, meint dagegen, dass das Heimspiel in Dublin hätte stattfinden sollen: „Ich hätte es für eine gute Sache gehalten, wenn die israelische Mannschaft im Dubliner Aviva-Stadion auf den Platz gekommen und die israelische Nationalhymne respektiert worden wäre, denn das wäre für mich ein Signal – von den Iren an das israelische Volk, das in diesem Konflikt ebenfalls gelitten hat.“
Der Israel-Palästina-Konflikt wird vor allem in linken Kreisen kontrovers diskutiert. Auch in der taz existieren dazu teils grundverschiedene Positionen. In diesem Schwerpunkt finden Sie alle Kommentare und Debattenbeiträge zum Thema „Nahost“.
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Im vergangenen November hatte die FAI die Uefa vergeblich aufgefordert, Israel auszuschließen. Gavin Cooney schrieb dazu in der Irish Times: „Der israelische Fußballverband verstößt eindeutig gegen die Statuten der Fifa und der Uefa, indem er Spiele in den besetzten Gebieten im Westjordanland organisiert. Die Untätigkeit der Verbände hat die FAI in eine äußerst heikle Lage gebracht.“
Der irische Verband erklärte, es werde die üblichen gemeinsamen Abendessen der Funktionäre nicht geben. Ob die irischen Spieler ihren Gegnern die Hände schütteln, bleibe ihnen überlassen.






