Der Amokfahrer in Leipzig war wieder einmal ein Mann. Über Männer, ihr angeknackstes Selbstbild und ihre Lösungsstrategien müssen wir reden.
D a haben wir aber noch mal Glück gehabt. Denn man stelle sich vor, der Amokfahrer von Leipzig hätte auch nur eine Spur von Migrationshintergrund. Oder präziser formuliert: eine Fluchtgeschichte aus einer irgendwie islamisch geprägten Region der Welt. Dann hätte Deutschland wieder eine Asyldebatte am Hals, die vor Rassismus nur so strotzen würde. Ganz nach dem Motto: Alles muss raus, was irgendwo anders verwurzelt ist, als im urdeutschen Sumpf. Dann würden die üblichen Verdächtigen (Innenminister und so) wieder irgendwelche Gesetze schneller schärfen, als das jeder Messerschleifer könnte.
Aber der festgenommene Raser von Leipzig ist ein Deutscher. Kann die aufgeregte Debatte also eingestellt werden, bevor sie überhaupt hochkocht? Nein, sie ist angebrachter denn je. Wir müssen reden über: Autos, die als Waffe missbraucht werden. Städte, die das zulassen. Vor allem aber: über Männer.
Fangen wir mit dem einfachsten an. Anders als bei Messern, für die kaum zu kontrollierbare Verbotszonen geschaffen wurden, gäbe es gegen Autos ein wirklich wirksames Mittel: fest eingerichtete Poller. Für notwendigen Lieferverkehr absenkbar, ohne Ausnahme vor jeder Fußgängerzone. Ob jetzt in Leipzig, im vergangenen Jahr in Mannheim oder vor fünf Jahren in Trier, ob beim Weihnachtsmarkt in Magdeburg oder auf dem Breitscheidplatz in Berlin: Stets waren leicht attackierbare Fußgängerzonen das Ziel. Stets wurde danach für mehr Schutz gesorgt. Und stets muss man fragen: wieso eigentlich erst dann? Denn all diese Amokfahrten zeigen: Jede ungeschützte Fußgängerzone ist eine Einladung zu Mord.
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Noch auffälliger aber ist das Profil dieser rasenden Täter. Egal, ob sie islamistisch oder völlig verdreht, jung oder alt sind, ob sie einen rechtsextremen Hintergrund oder „nur“ ein psychisches Problem haben. Eins eint all diese Amokfahrten: am Steuer sitzt immer ein Mann. Männer sind das Problem. Ihr Psychosen, ihr angeknackstes Selbstbild führt sie im Extremfall in den Irrglauben, dass Gewalt eine Lösung sein könnte. Wenn sie dann ans Steuer ihres Lieblingsegoverstärkers gelassen werden, kann man nicht mehr von toxischer Männlichkeit reden – es ist tödliche Männlichkeit.
Natürlich wäre es Unsinn, deshalb Fahrverbote für alle Männer zu fordern. Denn es sind ja nicht alle Männer so, bei Weitem nicht. Aber wenn es tatsächlich fast immer ein Mann ist, muss dieses Problem in den Fokus. Gerade weil es hier keine einfachen Lösungen gibt, ist eine gesamtgesellschaftliche Reflexion über das Männerbild unumgänglich. Sie könnte den Alltag sicherer machen, nicht nur in Fußgängerzonen.
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