
S ogar Friedrich Merz war in der Halle und hat sich angeschaut, wie Leonie Fiebich, Nyara Sabally und Frieda Bühner ihre Körbe werfen und von tausenden Fans gefeiert werden. Über 220.000 verkaufte Tickets und eine vorab schon ausgebuchte Arena am Ostbahnhof für das Halbfinale und Finale hatten da schon alle Rekorde geknackt. Menschen in Caitlin-Clark-Trikot laufen einem in Berlin über dem Weg. Für fast zwei Wochen ist die Stadt im Basketballrausch, denn es ist WM – der Frauen wohlgemerkt.
Spätestens mit dieser WM ist der Hype nach Deutschland übergesprungen. Der erstmalige WM-Halbfinaleinzug gegen Europameister Belgien am Donnerstagabend hat die Euphorie noch einmal auf ein anderes Level gehoben.
So viel Begeisterung hätte sich vor 28 Jahren bei der letzten WM in Deutschland wohl niemand träumen lassen. Während damals höchstens 1.800 Zuschauer im Publikum saßen, sind es die Tage bei einigen Spielen über 12.000. Basketball boomt weltweit wie kein anderer Frauensport, hat mittlerweile sogar den bislang umsatzstärksten Frauenfußball abgelöst. Grund dafür ist vor allem der Boom in der WNBA.
Es ist nicht nur die Kiss-Cam in den Pausen, die für einen gewissen WNBA-Vibe sorgt. Sponsoren wie eine bekannte Cornflakes-Marke, ein Sportartikelanbieter oder eine Pizza-Kette werben um die Wette. Alle wollen sie profitieren an der aufstrebenden Sportart. Ja, der kapitalistische Umgang mit dem Sport ist durchaus zu kritisieren, aber er zeigt auch, wie viel Aufschwung dieser gerade erlebt. Und das liegt sicherlich nicht nur am Geld selbst, sondern auch an der Qualität, die die Spielerinnen mittlerweile liefern.
Zu durchbrechender Teufelskreis
Die mediale Aufmerksamkeit ist ebenso riesig, alle großen Medien berichten fast täglich vom Turnier. Stars wie Schröder und Nowitzki lassen sich vor Ort blicken. Natürlich können es einige Boulevardmedien nicht lassen, deren Anwesenheit fast mehr Aufmerksamkeit zu schenken als den Frauen. Und doch sind sie nicht da, um die Show zu stehlen, sondern wertschätzend und unterstützend. Wann sieht man schon mal Deniz Undav am Rande eines Frauenfußballspiels? Im Basketball läuft da ohnehin einiges besser als im Fußball. So bekommen Männer und Frauen bei erfolgreichem Abschneiden eines Turniers die gleichen Prämien vom Deutschen Basketballbund (DBB).
Und trotzdem: Das Bild, das die WM abgibt, bleibt nur ein Vorgeschmack, wie der Frauenbasketball hierzulande sein könnte. Denn auf nationaler Ebene werden noch längst keine Arenen gefüllt. Im Gegenteil, selbst Bundesligaspiele werden noch zum Teil in modrigen Schulturnhallen ausgetragen. Vieles im Nachwuchsbereich läuft ehrenamtlich und durch viel Eigeninitiative. Selbst auf höchstem Liga-Niveau ist die Bezahlung ein Witz: Nationalspielerin Alexandra Wilke, vergangene Saison zur wertvollsten Spielerin der Bundesliga gekürt, spielt bei Bundesligist Keltern und arbeitet nebenher als Lehrerin. Kein Wunder, dass die talentiertesten Spielerinnen da lieber an US-Colleges und später in der WNBA spielen wollen. Was die Bundesliga wieder weniger attraktiv macht.
Es ist ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt. Das wird noch viel Geld und Arbeit kosten. Eins ist sicher: Der Wille ist da und der Moment ist jetzt. Denn Merz und alle anderen haben dem deutschen Team sicherlich nicht aus feministischen Gründen beim Spielen zugeschaut oder in der Hoffnung, dass seine Anwesenheit zu mehr Investitionen und so zu einem hochwertigeren Basketball verhelfen könnten. Der Hype ist mittlerweile einfach zu groß, als dass der Kanzler auf solcherart Imagepflege verzichten könnte.






