Digitales Bezahlen: Läden sollen künftig Kartenzahlung anbieten müssen

dpa | Geschäfte, Restaurants und Dienstleister sollen künftig neben Bargeld auch mindestens eine digitale Bezahlmöglichkeit anbieten müssen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat dazu Eckpunkte vorgelegt, die nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur derzeit mit den anderen Ministerien abgestimmt werden. Die neuen Regeln sollen 2027 umgesetzt werden.

„Wir wollen, dass Unternehmen überall dort, wo Waren und Dienstleistungen direkt vor Ort bezahlt werden, eine digitale Bezahlmöglichkeit anbieten“, heißt es in den Eckpunkten. Damit wird ein Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag von Union und SPD umgesetzt.

Welches digitale Bezahlverfahren angeboten wird, sollen die Unternehmen grundsätzlich selbst entscheiden können. Mindestens ein europäisches Verfahren müsse jedoch akzeptiert werden. Umsatzgrenzen oder zusätzliche Gebühren für Kunden sind nicht vorgesehen.

Bargeld wird weiter akzeptiert

Bargeld soll zugleich weiterhin akzeptiert werden. Ziel sei Wahlfreiheit für die Kunden. Ausnahmen von der Pflicht sind für nichtkommerzielle Organisationen wie Amateursportvereine oder Wohltätigkeitsverbände vorgesehen. Zudem soll geprüft werden, ob Härtefallregelungen nötig sind.

Das Finanzministerium will den Gesetzentwurf noch in diesem Jahr ins Kabinett bringen. Es begründet die Pläne auch mit dem Kampf gegen Steuerhinterziehung, Geldwäsche und andere Finanzkriminalität. Digitale Zahlungen würden dokumentiert und seien damit besser nachvollziehbar.

Verband beklagt zusätzliche Bürokratie und Kosten

Digitale Zahlungsmöglichkeiten seien längst Standard, sagt Jana Schimke, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotellerie- und Gastronomieverbands (Dehoga). „Kunden setzen sie voraus.“ Untersuchungen zufolge böten mehr als 90 Prozent der Betriebe bargeldloses Bezahlen an. Schimke warnt jedoch vor Kosten für die Betriebe. „Derzeit bemessen sich Transaktionsgebühren prozentual an der Höhe des Zahlungsbetrags.“ Vor allem kleine und mittlere Betriebe benötigten ausreichende Übergangsregelungen für die Umstellung.

Im Einzelhandel stoßen die Pläne auf Kritik. Gesetzliche Vorgaben seien völlig unnötig, sie schafften nur zusätzliche Bürokratie und Unsicherheiten, sagte Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland (HDE). „Denn eine einzelne Akzeptanz heißt immer, dass die ganze Bandbreite an Karten akzeptiert werden muss. Ansonsten entstehen komplizierte Kundengespräche, die Ärger machen sowie Zeit und Geld kosten.“ Für Händler entstünden zusätzliche Kosten. Der Verband fordert deshalb eine Möglichkeit, Kartengebühren an Kunden weiterzugeben.

Im deutschen Einzelhandel ging der Trend zuletzt zum bargeldlosen Bezahlen. Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI entfielen im vergangenen Jahr 32,3 Prozent des Umsatzes noch auf Barzahlungen und 65,1 Prozent auf Kartenzahlungen. Der Rest entfiel unter anderem auf Rechnungszahlungen, Überweisungen, Ratenkäufe und Gutscheine. Bei der Zahl der Transaktionen lag das Bargeld mit 50,5 Prozent noch knapp vor der Karte, die bei 48,1 Prozent der Einkäufe genutzt wird. Der Abstand ist in den vergangenen Jahren immer kleiner geworden. Dazu trägt auch bei, dass Kunden häufiger mit Smartphone oder Smartwatch bezahlen.

Experte: Wahlfreiheit macht Sinn

Während der Pandemie habe sich ein Großteil der Bevölkerung an die bargeldlose Bezahlung gewöhnt, sagt Kai Hudetz vom Handelsforschungsinstitut IFH Köln. „Bargeldlose Bezahlmöglichkeiten sind im Handel längst kein Zusatzangebot mehr, sondern werden von vielen Konsumentinnen und Konsumenten als Standard erwartet.“ Dennoch sei Bargeld vor allem bei älteren Menschen häufig weiterhin das bevorzugte Zahlungsmittel. „Insofern macht die Wahlfreiheit absolut Sinn“, so Hudetz.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband äußerte sich positiv zu den Plänen. „Verbraucherinnen und Verbraucher wollen selbst bestimmen, ob sie mit Karte, Smartphone oder Bargeld bezahlen“, sagte Vorständin Ramona Pop. Akzeptanzpflichten für Händler und Gastronomie stärkten die Wahlfreiheit.

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Film „The Uprising“: Die Reichen könnten Sch#$$ kriegen
    • September 11, 2026

    Gewalt in Zeitlupe, Hauen und Stechen, orgiastisches Morden und Meucheln: Vor Paul Greengrass’ neuem Film „The Uprising“ könnten Milliardäre Schiss kriegen. mehr…

    Weiterlesen
    Tagebuch aus Armenien: Nach der Flucht kommt das große Spiel
    • September 11, 2026

    In Armenien haben sich Migranten aus Russland zusammengetan, um der Gesellschaft zu helfen. Sie kümmern sich um den Spielplatzbau. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Film „The Uprising“: Die Reichen könnten Sch#$$ kriegen

    • 2 views
    Film „The Uprising“: Die Reichen könnten Sch#$$ kriegen

    Tagebuch aus Armenien: Nach der Flucht kommt das große Spiel

    • 1 views
    Tagebuch aus Armenien: Nach der Flucht kommt das große Spiel

    Boom bei Basketball-WM der Frauen: Vielversprechender Vorgeschmack

    • 1 views
    Boom bei Basketball-WM der Frauen: Vielversprechender Vorgeschmack

    Zivilgesellschaft in Ost und West: Engagiert, aber nicht unverwundbar

    • 1 views
    Zivilgesellschaft in Ost und West: Engagiert, aber nicht unverwundbar

    Digitales Bezahlen: Läden sollen künftig Kartenzahlung anbieten müssen

    • 2 views
    Digitales Bezahlen: Läden sollen künftig Kartenzahlung anbieten müssen

    Wegen Zusammenarbeit mit Rosatom: Klage gegen Ausbau von Brennelementefabrik

    • 1 views
    Wegen Zusammenarbeit mit Rosatom: Klage gegen Ausbau von Brennelementefabrik