dpa/taz | Nach einer bundesweiten Störung ist der Zugverkehr nach Angaben der Deutschen Bahn wieder angelaufen. Es komme aktuell aber noch zu Folgeverspätungen und einzelnen Ausfällen, bis sich alles wieder normalisiert habe, sagte eine Sprecherin am Morgen auf Anfrage. Nähere Angaben zur Ursache der Störung machte sie nicht. Diese sei in der Nacht identifiziert worden, es könnten aber noch keine Details genannt werden.
Eine deutschlandweite Störung des digitalen Bahnfunksystems GSM-R.hatte bei der Deutschen Bahn (DB) am späten Dienstagabend für rund zwei Stunden Stillstand gesorgt. Ab etwa 22.30 Uhr fuhren alle Züge in den nächstbesten Bahnhof und blieben dort stehen. Betroffen waren der Fernverkehr, Regionalzüge und auch S-Bahnen. Auch die Züge privater Unternehmen konnten nicht weiterfahren.
Gestörtes Funksystem soll Sicherheit gewährleisten
Die Ursache der Störung des Bahnfunks GSM-R hatte die DB noch in der Nacht identifiziert – ohne allerdings zu erklären, worin sie bestand. IT-Experten der DB hätten pausenlos an der Entstörung gearbeitet, mit Erfolg. „Die Störung konnte so innerhalb kurzer Zeit behoben werden“, hieß es weiter. Man danke allen Fahrgästen für die Geduld. Bahn-Chefin Evelyn Palla sagte der „Bild“-Zeitung, die Lage sei mit einem Notfallsystem stabilisiert worden.
GSM-R steht für „Global System for Mobile Communications – Railway“. „Das GSM-R Mobilfunknetz ersetzt nahezu alle analogen Funksysteme der Deutschen Bahn AG“, heißt es auf der Webseite der DB InfraGo, der Betreiberin der Infrastruktur der Deutschen Bahn. Demnach bietet es Vorteile wie etwa hohe Sicherheit in der betrieblichen Kommunikation, die Möglichkeit spezieller Gruppenanrufe und die Option zur gezielten Kontaktaufnahme mit den Fahrdienstleitern.
Es waren etliche Reisende betroffen. Erst gegen 0.30 Uhr fuhren die ersten Züge wieder. Danach lief der Verkehr am frühen Morgen nach Angaben der Bahn Schritt für Schritt wieder an.
Am Morgen hieß es zum Beispiel aus Nordrhein-Westfalen, dass der Bahnverkehr wieder weitgehend normal laufe. Am Duisburger Hauptbahnhof waren einige Züge leicht verspätet, Ausfälle gab es aber fast keine.
Auch bei der Berliner S-Bahn läuft Verkehr am Morgen ohne größere Einschränkungen. „Bisher sind keine größeren Verspätungen mehr feststellbar. Hoffen wir, dass es so bleibt“, teilte das Unternehmen auf X.
=”” span=””>
Sie nutzen Google? Sie wollen beim Googeln taz-Texte besser finden? Dann können Sie mit einem Google-Konto die neue Funktion „bevorzugte Quellen“ nutzen. Um die taz als „bevorzugte Quelle“ einzustellen, müssen Sie nur diesen Link anklicken und einen Haken setzen. Fertig.
Mehr Details zur Funktion „bevorzugte Quelle“ bei Google finden Sie hier.
=”” div=””>
Kaum Auskünfte für Reisende
Viele Reisende saßen durch den Ausfall fest. Zwar wurden laut einem Bahnsprecher Taxi- und Hotelgutscheine ausgegeben – in Frankfurt am Main berichteten Menschen aber zum Beispiel, es gebe in der ganzen Stadt gar kein Hotelzimmer mehr. Und: Ein ICE nach Mannheim und Stuttgart fuhr dort nahezu ohne Passagiere los. Niemand hatte den vielen Wartenden vor der Abfahrt Bescheid gegeben. Unter anderem am Berliner Hauptbahnhof beklagten Fahrgäste, dass es keine Auskünfte gab. Aber die Bahn-Mitarbeiter seien freundlich und ansprechbar gewesen, hieß es.
NRW-Verkehrsminister kritisiert Notfallmanagement der Bahn
Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) hat die Bahn nach der bundesweiten Störung scharf kritisiert. „Das macht mich fassungslos. Dass durch einen technischen Defekt der komplette Bahnverkehr in Deutschland zum Erliegen kommt, ist ein neuer Tiefpunkt bei einer ohnehin schwachen Betriebsqualität“, sagte Krischer der Deutschen Presse-Agentur.
„Ich erwarte, dass die Bahn diesen Vorfall transparent und lückenlos aufklärt. Es kann nicht sein, dass wegen des Ausfalls eines Systems Zehntausende Menschen die Nacht in Zügen und Bahnhöfen verbringen müssen“, sagte er.
Der NRW-Minister äußerte auch Kritik am Notfallmanagement der Bahn. „Hier braucht es Notfallmechanismen, die ein solches Desaster in Zukunft vermeiden. Menschen verlassen sich darauf, mit der Bahn wenigstens einigermaßen pünktlich ans Ziel zu kommen“, forderte Krischer.







