Debatte über Wiedervernässung: Ein Diskurs, der Landwirte ausklammert

Die Wiedervernässung von Mooren in Deutschland ist eine wichtige Maßnahme, um die Klimaziele zu erreichen. Schließlich können intakte Moore gewaltige Massen an Treibhausgasen aufnehmen und speichern – trockengelegte Moore hingegen setzen Klimagase frei.

Weil im Laufe der letzten Jahrhunderte rund 95 Prozent der deutschen Moore trockengelegt wurden, sind die Böden vielerorts zum Klimaproblem geworden. Rund sieben Prozent der nationalen Emissionen gehen auf trockene Moorböden zurück. Politisch wird die Wiedervernässung zuletzt durch ein neues Förderprogramm angeschoben, das Land­wir­t*in­nen zum Wandel bewegen soll. Doch wie wird dieses Thema in der Gesellschaft wahrgenommen?

Eine wissenschaftliche Studie aus dem Fachmagazin Nature and Culture hat nun die gesellschaftlichen Diskurse analysiert, die das Thema Wiedervernässung von Mooren begleiten. Die Grundlage dafür bildeten knapp 2.000 Zeitungsartikel, die zwischen 2019 und 2023 veröffentlicht wurden. Laut der Forschenden eignen sich diese deshalb als Primärquellen, da sie die Stimmung in der Gesellschaft einfangen und spiegeln.

Die meisten Moorgebiete in Deutschland finden sich in Norddeutschland sowie am Alpenrand. Daher untersuchte die Studie den Wiedervernässungs-Diskurs in den vier regionalen Sektoren Nordosten, Nordwesten, Süden und national – und stellte dabei große regionale Unterschiede fest.

Nicht genug Land­wir­t*in­nen in nationaler Debatte

Auf der nationalen Ebene würde der Diskurs klar von den Themen Klimaschutz und Emissionsminderung dominiert. Die Wiedervernässung würde vor allem als politische Aufgabe und Teil der deutschen Klimaziele dargestellt.

Die Forschenden merken allerdings an, dass Land­wir­t*in­nen nur eine Randrolle in der Debatte um mehr Klimaschutz durch nachhaltige Landwirtschaft spielen. Wiedervernässung würde mehr als Klima-, nicht als Landwirtschaftsthema behandelt – und das, obwohl es dabei fast ausschließlich um Agrarflächen geht.

In der regionalen Berichterstattung verhält sich das anders. Dort finden neben dem Thema Klimaschutz auch Kritik an Wiedervernässungsmaßnahmen Platz im Diskurs. Diese kommt laut Studie vor allem aus den Reihen der Landwirt*innen, die sich um die Möglichkeiten der Landnutzung nach der Wiedervernässung sorgen.

Zeitungsartikel aus dem Nordosten behandeln mögliche Rückschritte im Artenschutz – etwa im Fall der Großtrappe. Die Entwässerung wird zum Teil sogar als positive Entwicklung gewertet, da sie die An­woh­ne­r*in­nen vor feuchten Kellern und Moskitos bewahrt. Dennoch wird die Wiedervernässung auch als Resilienzmaßnahme gegen Dürren und Überschwemmungen behandelt.

Wiedervernässung als unkontrollierte Maßnahme

Auch im Nordwesten wird die Umsetzung von Wiedervernässungsprojekten samt ihrer einhergehenden Konflikte und Probleme häufiger diskutiert als auf nationaler Ebene. Vor allem politische und finanzielle Themen würden den Diskurs prägen.

Auch hier sei allerdings eine Angst in der Bevölkerung spürbar, dass die Wiedervernässung zu Überflutungen führen könnte – was laut Studie darauf schließen lässt, dass Wiedervernässung als eine unkontrollierte Maßnahme eingeordnet wird.

Zeitungsartikel aus Süddeutschland beschäftigten sich vor allem mit den Vorteilen für den Naturschutz und den Tourismus, der durch die Wiedervernässung erreicht werden könnte.

Angesichts der großen regionalen Unterschiede kommen die Forschenden zu dem Schluss, dass die lokalen Debatten ein wichtiges Potenzial bieten, um Möglichkeiten und Bedürfnisse von den Beteiligten einzufangen. Nur unter Berücksichtigung der lokalen Hintergründe und Probleme könne ein nachhaltiger Wandel stattfinden.

  • informationsspiegel

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