Gewalt durch ICE in den USA: Tödliche Schüsse auf einen Mexikaner in Houston

ap | Ein Beamter der US-Einwanderungsbehörde ICE hat bei einem Einsatz in Houston einen Mann erschossen. Der Mann habe am Dienstag versucht, sich mit seinem Fahrzeug der Festnahme zu entziehen, teilte die Behörde mit. Das US-Heimatschutzministerium erklärte, der Mann sei mexikanischer Staatsbürger und habe Anweisungen zum Anhalten ignoriert. Er habe versucht, einen Beamten mit seinem Fahrzeug zu rammen. Daraufhin habe der Beamte in Notwehr geschossen. Der Mann starb den Angaben zufolge im Krankenhaus. Beweise für ihre Darstellung legten die Behörden bislang nicht vor.

Nach Angaben des Ministeriums, dem die Einwanderungsbehörde ICE untersteht, war der Mann ins Visier der Behörden geraten, weil er sich ohne gültige Aufenthaltserlaubnis im Land aufgehalten habe. Sein Fahrzeug sei zudem mit einem ICE-Fahrzeug zusammengestoßen.

Das FBI-Büro in Houston untersucht nach Angaben von Sprecher Connor Hagan den möglichen Angriff auf einen Bundespolizisten. Zudem seien Mitarbeiter der Spurensicherung auf Bitte des Heimatschutzministeriums zum Tatort entsandt worden, um Beweise zu sichern.

Der Sohn des Getöteten, Ronaldo Salgado, erklärte auf der Plattform Facebook, sein Vater sei auf dem Weg zur Arbeit im Baugewerbe gewesen, um seine Arbeiter abzuholen, als die Schüsse fielen. Salgado beschrieb seinen Vater als hart arbeitenden Mexikaner, der seit fast 35 Jahren in den USA lebe und gerade dabei gewesen sei, eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. „Mein Vater hat das nicht verdient“, sagte er.

Forderungen nach unabhängiger Untersuchung

In Houston, der größten Stadt des US-Bundesstaates Texas, kommt es seit dem vergangenen Jahr vermehrt zu Einsätzen der Einwanderungsbehörden, die auch auf öffentlichen Widerstand stoßen. Der Stadtrat hatte zunächst eine Regelung beschlossen, die die Zusammenarbeit mit ICE einschränken sollte, nahm diese Entscheidung jedoch zurück, nachdem der republikanische Gouverneur Greg Abbott mit der Kürzung von mehr als 100 Millionen Dollar an staatlichen Mitteln für die öffentliche Sicherheit gedroht hatte.

Die demokratische US-Abgeordnete Sylvia Garcia forderte auf der Plattform X eine unabhängige Überprüfung der Darstellung der Bundesbehörden. Alle verfügbaren Videoaufnahmen, Kommunikationsdaten und sonstigen Beweismittel sollten im Rahmen einer unparteiischen Untersuchung gesichert und geprüft werden, erklärte sie. Der demokratische Bürgermeister von Houston, John Whitmire, wollte sich zunächst nicht äußern.

Juan Proaño, Geschäftsführer der Organisation League of United Latin American Citizens, sagte: „Wir nehmen dem Heimatschutzministerium seine Darstellung keineswegs einfach ab.“ Er forderte eine unabhängige Untersuchung und die Veröffentlichung aller Videoaufnahmen in dem Fall. Die Organisation setzte eine Belohnung von 5.000 Dollar für Informationen zu dem Vorfall aus. Im Viertel, in dem die Schüsse fielen, kam am Abend eine kleine Gruppe Demonstranten zusammen und skandierte Parolen gegen ICE.

10.000 Festnahmen in fünf Tagen

Seit Beginn der verstärkten Einwanderungskontrollen der Regierung von US-Präsident Donald Trump gab es Informationen der AP zufolge mindestens acht tödliche Schusswaffeneinsätze durch Bundesbeamte.

Frühere Darstellungen von Einwanderungsbehörden wurden später teilweise durch Videoaufnahmen relativiert – etwa im Zusammenhang mit dem Tod der 37-jährigen Renee Good, die bei einem Einsatz in Minneapolis getötet wurde. Auch in diesem Fall erklärte das Heimatschutzministerium, Good habe versucht, den Beamten mit ihrem Fahrzeug zu rammen. Örtliche Behörden und Zeugen widersprachen und erklärten, sie habe lediglich versucht wegzufahren; eine Darstellung, die durch Videoaufnahmen bestärkt wurde.

Allein Ende Juni dieses Jahres nahm ICE nach eigenen Angaben innerhalb von fünf Tagen mehr als 10.000 Menschen fest.

  • informationsspiegel

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