Gewalt im Westjordanland: 16-Jähriger vom israelischen Militär erschossen

Erneut wurde am Mittwoch im Westjordanland ein minderjähriger Palästinenser getötet. Der Fall ereignete sich in Jaljulia, nördlich der De-Facto-Kapitale Ramallah; Schütze war ein Soldat des israelischen Militärs. Nach Angabe der palästinensischen Nachrichtenagentur „Wafa“ wurden vier weitere Palästinenser verletzt.

Zum Hergang schreibt Wafa: Israelische Siedler, geschützt durch das Militär, hätten in verschiedenen Dörfern, darunter Jaljulia und Sinjil, angegriffen. Sinjil ist heute, nach einem Angriff an der nahegelegenen Siedlung Eli und anhaltender Siedlerattacken auf den Ort, zu großen Teilen eingezäunt.

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Nahost-Konflikt

Nach dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 startete das israelische Militär eine Offensive in Gaza, 2024 folgte der Vorstoß gegen die Hisbollah im Libanon. Der Konflikt um die Region Palästina begann Anfang des 20. Jahrhunderts.

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Die Times of Israel berichtet mit Bezug auf das israelische Militär: Zivilisten aus einem „illegalen Außenposten“ – also Siedler – seien „nach dem Diebstahl von Vieh“ in den Ort eingedrungen. Die Soldaten hätten eingegriffen, um eine Konfrontation zu verhindern und die Tiere und die Siedler aus dem Ort zu bringen. Beim Rückzug der Soldaten sei es zu Ausschreitungen und Steinwürfen gekommen. Die Soldaten hätten dann mit scharfer Munition geschossen.

Wafa berichtet wiederum: Die Siedler hätten Schafe aus den palästinensischen Dörfern gestohlen, lokalen Berichten zufolge etwa 700 Stück. Bewohner hätten sie dann konfroniert. Der palästinensische Menschrechtler und Aktivist Ihab Hassane teilte auf X ein Video, das das Vorgehen der Siedler zeigen soll. Zu sehen ist darauf eine Herde Schafe, die von einer Gruppe Männer angeführt wird, dahinter fährt ein gepanzertes Fahrzeug des israelischen Militärs.

2,4 Siedlerangriffe auf Palästinenser pro Tag

Die Gewalt gegen Palästinenser hat im Westjordanland seit dem Hamas-Überfall am 7. Oktober 2023 und dem darauf folgenden, mit großer Härte geführten Krieg im Gazastreifen deutlich zugenommen. Nach Angabe des israelischen Militärs selbst gab es im Jahr 2025 im Schnitt 2,4 Siedlerangriffe auf Palästinenser pro Tag. Zu diesen Angriffen zählen etwa Brandstiftung an palästinensischen Autos oder Häusern, Diebstahl und Körperverletzung.

Immer wieder werden dabei auch Palästinenser von Siedlern getötet, allein im Jahr 2026 gab es bereits mindestens 13 Fälle. Erst Ende April wurden im Dorf al-Mughajir nahe Ramallah zwei Menschen erschossen, darunter ein 13-jähriger Junge auf dem Gelände seiner Schule. Der Times of Israel berichteten damals Augenzeugen: Fünf Siedler, teils in ziviler Kleidung, teils in Uniform, hätten ihre Tiere nahe der Schule geweidet und später das Feuer eröffnet.

Das Vorgehen von Siedlern, ihre Tiere auf oder nahe an palästinensischen Land zu weiden, ist mittlerweile ein bekanntes Vorgehen. Die Zahl der sogenannten „Farming Outposts“ wächst: Allein 2026 kamen laut der israelischen Friedensorganisation Peace Now 60 weitere solcher Farmen hinzu – mehr als eine pro Woche.

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Laut der Organisation Yesh Din enden 94 Prozent aller Untersuchungen von Siedlergewalt ohne Anklage

Juristische Konsequenzen auf die Angriffe gibt es selten: Laut der Organisation Yesh Din enden 94 Prozent aller Untersuchungen von Siedlergewalt ohne Anklage.

Die israelische Regierung teilt derweil weiter großzügig Gelder zu: An die völkerrechtswidrigen Siedlungen und Außenposten, die selbst nach israelischem Recht illegal sind. Laut einem Bericht von Peace Now flossen in den vergangenen Jahren umgerechnet 5,3 Milliarden Euro Regierungsgelder in Siedlungen und Außenposten. Das sei „ein regelrechter Raub öffentlicher Gelder zugunsten einer kleinen Gruppe innerhalb der Regierungsbasis“, so die Organisation.

Geschäftsführer von Peace Now von Siedlern attackiert

Am Donnerstag wurde der Geschäftsführer der Organisation Peace Now, Lior Amihai, selbst von extremistischen Siedlern angegriffen. Aufnahmen zeigen, wie diese Amihai schlagen und im Gesicht verletzen. Der Angriff ereignete sich demnach an der Ein-Samia-Quelle im besetzten Westjordanland, während Amihai dort mit einer Gruppe von Aktivisten der israelischen demokratischen Partei unterwegs war.

Die Angreifer hinderten anschließend die Teilnehmer der Tour am Verlassen des Gebietes. Nach Angaben von Peace Now wurde die Polizei benachrichtigt, es seien jedoch keine Beamten geschickt worden. Später eintreffende Soldaten nahmen demnach die Teilnehmer wegen Verdachts auf Körperverletzung fest. Gegen die gewalttätigen Siedler seien hingegen keine Maßnahmen ergriffen worden.

Mit Material der Agenturen afp und kna

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