Hin und Her im Irankrieg: US-Marine macht schon Pause bei der Sicherung von Schiffen

Nach nur einem einzigen Tag beenden die USA ihre Sicherungsmission für Handelsschiffe, die die Straße von Hormus passieren wollen, wieder – zumindest vorerst. US-Präsident Donald Trump erklärte dazu: Es handele sich um eine „kurze“ Pause, „um zu sehen, ob das Abkommen finalisiert und unterzeichnet werden kann“. Gemeint ist ein Abkommen mit der Islamischen Republik Iran, mit der die US-Regierung unter Trump seit Wochen um ein Kriegsende verhandelt. Nach Bericht des Senders Al Arabiya mit Bezug auf eine pakistanische Quelle gibt es einen Entwurf für ein Abkommen, das einen Zeitplan für ein Ende des Krieges vorsehe.

Große Fortschritte waren in den Verhandlungen bislang aber nicht zu spüren, eine erste Verhandlungsrunde in Pakistan Mitte April scheiterte. Kein Wunder, die Differenzen zwischen Teheran und Washington sind gigantisch.

Iran blockiert seit Beginn des Krieges die Straße von Hormus mithilfe der Drohung, Schiffe, die die Passage wagen, zu beschießen. Die Alternative ist ein von Teheran festgelegtes Prozedere: Dafür wurde jüngst die „Persian Gulf Strait Authority“ ausgerufen. Berichten zufolge hat diese bereits Reedereien kontaktiert, deren Schiffe sich in der Straße von Hormus befinden.

Der Al-Jazeera-Korrespondent für den Iran, Ali Hashem, berichtet auf X, wie das Prozedere laut der neuen Behörde abläuft: Demnach sollen Schiffe, die die Straße von Hormus passieren möchten, eine E-Mail an [email protected] senden. Die Zahlung der sogenannten Transitgebühr – man könnte sie auch Schutzgeld nennen – muss dann in iranischen Rial erfolgen, Garantien dafür bei iranischen Banken hinterlegt werden. In allen Dokumenten müsse außerdem die „korrekte Bezeichung ‚Persischer Golf‘“ genutzt werden. Die Bezeichnung Arabischer Golf ist weniger geläufig, aber nicht falsch.

Keine freie Passage durch die Straße von Hormus

Hinzu kommt: „Länder, die Iran im jüngsten Krieg Schaden zugefügt haben, müssen diesen Schaden vor Erteilung einer Durchfahrtsgenehmigung begleichen. Länder, die Sanktionen gegen Iran verhängt oder iranische Währungen blockiert haben, erhalten keine Durchfahrtserlaubnis“, so Hashem.

Die USA wie auch die arabischen Golfstaaten bestehen darauf, dass die Straße von Hormus frei passierbar ist. So ist es auch im Seerechtsabkommen der Vereinten Nationen festgelegt, das die Anrainerstaaten Iran und Oman beide unterzeichnet haben.

Hinzu kommen weitere Streitpunkte: etwa das nach den US-israelischen Angriffen im Frühsommer 2025 in Iran verbliebene angereicherte Uran, das sich bis heute unter anderem in der Atomanalge Fordow befinden soll. So hatte es auch die Internationale Atomenergiebehörde berichtet. Und Trump hatte bislang immer gefordert, Iran solle diesen – nach seinen Worten –„Nuklearstaub“ herausrücken.

Und das Raketenprogramm Irans sollte beschnitten worden, so hatte es Trump verkündet. Auch die Angriffe der USA und Israels zu Beginn des Krieges schienen darauf abzuzielen: Sie galten unter anderem Raketenabschussrampen, Raketenlagern und Produktionsstätten, auch entlang der Lieferkette wie etwa der Stahlindustrie.

Golfstaaten sind frustriert von den Kriegsparteien

Zu keinem dieser Punkte scheint eine Lösung in Sicht. Doch die blockierte Straße von Hormus führt weiter zu einer Verteuerung von Energie weltweit. Etwa 20 Prozent des weltweiten Rohöltransports verlief zuvor durch diese Meerenge.

Die Strategie der USA – oder auch ein Mangel derselben – sorgt in der gesamten Region – abseits vielleicht Irans – für Kopfzerbrechen. Am Dienstag hatte Iran die Vereinigten Arabischen Emirate angegriffen, ein hochrangiger US-Militär erklärte dann aber: Die Attacken lägen „unterhalb der Schwelle, die zum jetzigen Zeitpunkt eine Wiederaufnahme größerer Kampfhandlungen rechtfertigen würde“.

Seitens der Golfstaaten, das bestätigen immer wieder etwa Analysten gegenüber der taz, herrscht eine gewisse Frustration: Etwa wegen des anhaltenden Hin und Hers, bei dem die Staaten – obwohl sie enge Verbündete sind und tausende Truppen beherbergen – sich wohl nicht ausreichend eingebunden führen. Und weil Trump ihnen zumindest bislang genau die Situation hinterlassen hat, vor der sie sich wohl gefürchtet hatten: ein verwundeter, aber nicht besiegter Iran, der nun umso aggressiver vorgeht. Auch gegen seine Nachbarn.

  • informationsspiegel

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