John-Galliano-Schau in New York abgesagt: Er fliegt hoch und stürzt, schon wieder

Die Kritik an einer großen Schau des Modedesigners John Galliano im New Yorker Metropolitan Museum of Art wurde immer lauter. Jetzt hat er sie abgesagt.

Vielleicht dachte Anna Wintour, Vorsitzende der Costume Institute Benefit Gala seit 1995, besser bekannt als Met Gala, das schiere Genius und der zeitliche Abstand würden ausreichen, um Galliano zu rehabilitieren. Maßgeblich soll die ehemalige Chefredakteurin der US-Vogue an der Entscheidung beteiligt gewesen sein, die Frühjahrsausstellung des Costume Institute des Metropolitan Art Museum New York dem Werk des Modedesigners John Galliano zu widmen.

Die Ausstellung ist traditionell eng mit dem Kostüm-Motto der Gala verknüpft. Doch schon seit der Verkündung der Entscheidung wurde Kritik laut. Teils einflussreiche Geldgeber des Museums meldeten sich zu Wort, unter ihnen auch Elisha Wiesel, Sohn des Autors und Holocaust-Überlenden Elie Wiesel. Die Ausstellung würde als fatales Signal in Zeiten eines erneut angefachten globalen Antisemitismus senden. Auch Arne Glimcher, Gründer der Pace Gallery und Schwergewicht des New Yorker Kunsthandels, drohte damit, dem Met Werke aus seiner Sammlung nicht mehr zu vermachen, sollte die Schau wie geplant stattfinden. Auch Bürgermeister Zohran Mamdani gab am Sonntag eine Erklärung ab, wie The New York Times berichtet: „John Gallianos wiederholte Verwendung antisemitischer Äußerungen ist abscheulich. Die Mamdani-Regierung ist sich bewusst, dass die Entscheidung des Met, ihn zu ehren, bei vielen jüdischen New Yorkern Schmerz und Wut ausgelöst hat.“

Nun hat Galliano selbst die Retrospektive abgesagt. In einem Statement auf Instagram entschuldigte der Designer sich erneut für den noch immer anhaltenden Schmerz, den seine einstigen Aussagen bereitet hatten. 15 Jahre ist es her, dass der Brite John Galliano, der wahrscheinlich talentierteste Modedesigner seiner Generation, in der Pariser Szenebar La Perle seiner Karriere ein jähes Ende setzte. In einem Moment vollkommener Entgleisung beleidigte Galliano ein anwesendes Paar zutiefst rassistisch und antisemitisch, wenig später wurde ein Video mit ihm an die britische Yellow Press durchgestochen: „I love Adolf Hitler“ lallt der Designer da in die Kamera, gefolgt von weiteren menschenverachtenden Sätzen.

32 Kollektionen hatte Galliano damals, 2011 als Chefdesigner bei Dior zu verantworten, der Druck entlud sich in Drogen, Alkohol und Medikamentenmissbrauch. Dior handelte schnell und entließ seinen Maestro. Dieser begab sich in Reha, verschwand ein paar Jahre aus der Öffentlichkeit und kehrte schließlich von 2014 bis 2024 als Kreativdirektor von Maison Margiela zurück. Gallianos Abschlusskollektion bei Margiela 2024 gilt als eine der besten der letzten Jahre. Um Gallianos Privatleben blieb es in den letzten Jahren weitestgehend still. Seinen grandiosen Auf- und Abstieg hat Kevin Macdonald 2023 im durchaus sehenswerten Dokumentarfilm „High & Low – John Galliano“ nachgezeichnet.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit “Alles beginnt im Zentrum”. Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion.

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