Miese Arbeitsbedingungen bei Lieferando: Darf’s noch etwas mehr Ausbeutung sein?

Lieferando drängt Ar­bei­te­r*in­nen zum maximalen Einsatz eigener Ressourcen und Risiken. Es ist die optimierte Ausbeutung im Hyperkapitalismus.

W ie viel Profit kann man aus einer Mit­ar­bei­te­r*in pressen? Lieferandos Antwort lautet immer: Da geht noch was. Seit Jahren versucht die Firma beharrlich, ihre Mit­ar­bei­te­r*in­nen stets noch etwas mehr auszubeuten. Dabei ist der Job schon weit oben in der Ausbeutungsskala.

Bei Wind und Wetter rasen die Fah­re­r*in­nen durch den Verkehr, getrieben von der App, die ihnen sagt, zu welchem Restaurant und welcher Kundin sie als nächstes fahren sollen. Der Algorithmus, der den Arbeitsablauf vorgibt, lässt kaum Spielraum für eigene Entscheidungen, Komplikationen oder Pausen. Das bedeutet viel Stress und starke Vereinzelung, bei einem Lohn knapp über der gesetzlichen Untergrenze.

Obwohl das drittwichtigste Arbeitsmittel nach dem Fahrrad und der Essensbox das Handy ist, weigert sich Lieferando, Dienstgeräte zur Verfügung zu stellen. Dabei steht außer Zweifel, dass ein Smartphone stark verschleißt, wenn man es stundenlang zur Navigation an den Lenker klemmt. Hinzu kommt das Datenvolumen, das man ebenfalls selbst mitbringen soll. Die zehn Cent pro Stunde, die Lieferando als Kompensation zahlt, wenn man sein privates Handy benutzt, sind lächerlich.

Ein stark individualisiertes Arbeitsverhältnis

Die Ar­bei­te­r*in­nen zu drängen, ihr eigenes Smartphone einzusetzen, bedeutet die weitere Individualisierung eines ohnehin stark individualisierten Arbeitsverhältnisses. Der Arbeitgeber übernimmt so wenig Verantwortung wie möglich, die Rider bringen selbst den größtmöglichen Einsatz von Risiko und Ressourcen mit. Es ist die optimierte Ausbeutung im Hyperkapitalismus.

Lieferando empfiehlt seinen Mit­ar­bei­te­r*in­nen unverschämt, sich ein billiges Zweitphone zu kaufen. Empfehlenswerter wäre es wohl, sich eine Tüte Gummibärchen zu kaufen und der Interessenvertretung Riders United beizutreten.

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