R eza Pahlavi kämpft auf seiner Europatour gegen den Bedeutungsverlust. Er tritt auf wie ein mit großer Mehrheit gewählter Repräsentant des iranischen Volks. Dabei hat er den verzweifelten IranerInnen nur einen Traum verkauft, den ausgerechnet US-Präsident Donald Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu erfüllen sollten. Auf der Bundespressekonferenz zeigte er sich diese Woche sichtlich genervt von den kritischen Nachfragen der JournalistInnen.
Pahlavi war es, der im Namen der iranischen Bevölkerung den USA und Israel einen moralischen Freibrief für Angriffe auf sein Heimatland gab. Eine Carte blanche also für einen per internationalem Haftbefehl gesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher und für einen US-Präsidenten, der mittlerweile droht, „die iranische Zivilisation für immer auszulöschen“.
Auch nach Trumps apokalyptischen Drohungen wirbt Pahlavi weiter dafür, dass Amerikaner und Israelis „den Job zu Ende bringen“. Zu seiner Strategie gehört dabei eine bemerkenswerte Toleranz gegenüber iranischen Opfern. Den Familien der am ersten Kriegstag in Minab getöteten Schulkinder hat er bis heute kein Beileid ausgesprochen. Etwa 170 Menschen tötete das US-Militär bei einem Angriff auf eine Grundschule. Den Familien der ersten drei getöteten US-Soldaten kondolierte Pahlavi hingegen umso herzlicher.
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Seine Anhänger sehen darin strategisches Kalkül: Er wolle Trump, der der Schlüssel zur Befreiung Irans sei, nicht kritisieren. All dies tut Pahlavi weiterhin im Namen des iranischen Volks. „Tens of millions shouted my name“, behauptet er in Berlin unter Verweis auf die Januarproteste in Iran. Wer seine Rolle als Oppositionsführer anzweifle, missachte demnach den Willen der IranerInnen. Allein diese Selbstgewissheit sollte Skepsis wecken.
Für Pahlavi oder für das Regime
Niemand kann seriös belegen, was „die Menschen“ in Iran aktuell wollen und was nicht. Fakt ist, dass schon im Januar Pahlavis unbestreitbar großer Einfluss bei den Protesten zusätzlich aufgeblasen wurde. Eine Studie zur Berichterstattung über die Proteste kommt zu dem Ergebnis, dass 17 Prozent der auf Social Media geposteten Videos einen Bezug der Proteste zu Pahlavi zeigten, etwa durch Rufe nach ihm.
Was die DemonstrantInnen aber viel mehr einte, waren Rufe nach dem Ende der Islamischen Republik, die auf 83 Prozent der Videos zu hören waren. Bei dem unter IranerInnen sehr einflussreichen, israelnahen Exilsender Iran International war das Verhältnis allerdings umgekehrt: 81 Prozent der veröffentlichten Videos zeigten Bezüge zum ehemaligen Kronprinzen. Ein Aufblasen der Bedeutung Pahlavis um 376 Prozent.
Das Framing von Iran International schwappt oftmals auch in die internationale Berichterstattung über. Für seine Anhänger ist seitdem klar: Pahlavi spricht für die Menschen in Iran; wer nicht für ihn ist, ist für das Regime. Ein anmaßender Anspruch, bei dem JournalistInnen unbedingt kritisch nachfragen müssen. Auch wenn es ihm nicht gefällt.







