Wettrennen ins All: Die FDP baut eine Mondbasis

V or Kurzem war ich bei einer Veranstaltung der Universität Stuttgart, bei der Wis­sen­schaft­le­r*in­nen und Science-Fiction-Autor*innen über verschiedene Zukunftstechnologien diskutieren. Mein Gesprächspartner dort forscht an einem riesigen Aluminiumschirm im Weltall, der Sonnenlicht von der Erde fernhalten soll, um die Klimakatastrophe zu verlangsamen. Ein paar Wochen später erzähle von dieser Idee bei mir am Küchentisch, zu Besuch ist mein Freund Felix aus dem Jahr 2126.

„Hat sich ein Supervillain gefunden, der das finanziert?“, frage ich ihn.

„Natürlich nicht“, sagt er.

„Und wie geht das New Space Race aus? Letzte Woche ist eine Blue-Origin-Rakete explodiert. Hat SpaceX den Markt komplett übernommen?“

„Das ist, als würde dich jemand fragen, ob die ganze Welt nur noch BMW fährt, weil die A-Klasse in den 1990ern den Elchtest nicht bestanden hat. Auch wenn die berühmten Firmenbosse euch glauben lassen, es gäbe nur zwei Player in der Branche: Der Markt für Raumfahrt ist riesig und nicht die Unternehmen planen die Missionen, sondern die Politik.“

„Wie geht’s also weiter?“

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„In den nächsten 20 Jahren entstehen drei Mondbasen: jeweils eine von der Nasa, der CNSA und der FDP.“

Ich starre ihn an.

„Du weißt doch, dass alte weiße Männer mit zu viel Geld und fragilem Ego ihr Vermögen lieber in astronomische Projekte stecken, anstatt es für Bildung und die Gemeinschaft auszugeben.“

„Ja, aber …“ Mir fehlen die Worte.

„Als die FDP sich endgültig auflöst, gibt es plötzlich eine Menge dieser Typen, die ein neues Projekt brauchen. Die Mission ‚Männer im Mond‘ (MiM) sorgt dafür, dass neben dem amerikanischen und dem chinesischen am Habitat noch ein drittes auf dem Mond errichtet wird, in einer zuvor entdeckten Pol-Lavaröhre nahe dem Nobile-Krater.“

„Und was machen die da?“

„Die Nasa will dort eine Startrampe für Reisen zum Mars und darüber hinaus bauen. China sieht den Mond selbst als Ziel und erforscht Technologien und Infrastruktur, um dort zu bleiben. Und die MiMs wollen wie immer Geld verdienen. Sie erschließen den Mond touristisch mit Hotelresorts, Low-Gravitiy-Golfplätzen, Sterneküche bei Sauerstoffmangel und Luxusimmobilien für Personen, die der Strafverfolgung auf der Erde entgehen wollen.“

„Funktioniert das?“

„Eine Weile schon. Die Mondbasen wachsen, werden so gut wie autark und etablieren sich als Relais zwischen Erde und Missionen im weiteren Sonnensystem. Aber als Ende der 2080er wegen internationaler Spannungen über Monate alle Flüge zur Erde ausfallen, kommt es zur Krise. Die 2.000 Bediensteten der MiMs haben keine Lust mehr, ihre Ressourcen zu rationieren, während die kaum hundert Luxusmondbewohner so leben, als gehe sie der um sie herum drohende Weltraum nichts an. Eine sehr kurze und blutige Revolution später wird die mondbasisdemokratische anarchische Republik Luna gegründet. Die anderen Basen werden annektiert, um Kontrolle über deren Technologie und Ressourcen zu erlangen. Im Jahr 2094 wird Luna in die UNO aufgenommen.“

„Und heute …, also 2126?“, frage ich.

„Zwei Wochen Mondröhre gibt’s als Pauschalurlaub. Und auf dem Mars stehen gerade zwei Pioniersiedlungen. Doch wer die einmal betritt, wird zum Marsmenschen und darf nicht mehr auf die Erde zurück. Das soll eine Eskalation wie auf dem Mond verhindern. Da oben sind alle Menschen gleich.“

  • informationsspiegel

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