
Till Backhaus hat die Nacht von Montag zu Dienstag beim gestrandeten Buckelwal in der Ostsee verbracht. Schon zuvor erklärte der Umwelt- und Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, er werde nicht mehr von Timmys Seite weichen. Backhaus behauptete, er habe dem Wal in die Augen geschaut und kommuniziere mit ihm. Dass die Rufe des Wals ihn nicht losließen. Und dass er schlaflose Nächte habe.
Alles, was der SPD-Landespolitiker zum Wal und zu seinen eigenen Wal-Befindlichkeiten zu sagen hat, wird von den Medien begierig aufgegriffen und fleißig in die Welt gepustet. Jeden Tag geht das so. Seit Wochen. Genauer: seit sich der Buckelwal Ende März von der Küste Schleswig-Holsteins in die Wismarer Bucht und damit in Backhaus’ Zuständigkeitsbereich verirrt hat.
Erst gab Backhaus den Wal verloren. Dann mutierte der 67-Jährige zu Deutschlands oberstem Walretter. Es ist nicht bekannt, ob er sich derzeit mit anderen Dingen beschäftigt. Folgt man Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), ist Backhaus seit dem Auftauchen des Wals von seinen sonstigen Aufgaben so gut wie entbunden.
Es gebe in der Landesregierung eine klare Arbeitsteilung, sagte jetzt ein Sprecher Schwesigs der Ostsee-Zeitung: „Die Ministerpräsidentin kümmert sich um die Wirtschaftslage, Arbeitsplätze, die Preise für Benzin und Diesel und soziale Fragen.“ Und: „Der fachlich zuständige Minister für Landwirtschaft und Umwelt kümmert sich um den Wal.“
Wal-Minister kann auch giften
Backhaus ist Deutschlands dienstältester Landesminister, seit 27 Jahren in ein und demselben Amt. Wer auch immer und mit wem auch immer die SPD ab 1998 in Schwerin regierte: Der ehemalige LPG-Abteilungsleiter und später mit einer Arbeit zur Getreideproduktion promovierte Agrarwissenschaftler saß mit am Tisch.
Er selbst hat jüngst über sich gesagt, er sei „sehr sensibel“. Dass der walstreichelnde Minister auch giften kann, stellte er in seiner Regentschaft schon häufiger unter Beweis. Für bundesweite Empörung sorgte im September 2022 sein Angriff auf die damalige Grünen-Chefin Ricarda Lang. „Früher waren Dick und Doof zwei Personen“, sagte Backhaus in einer Rede mit Blick auf Lang.
Kaum überraschend: Die Meinungen über den gebürtigen Mecklenburger gehen auseinander. Viele im Bundesland loben ihn als Mann, der kein Blatt vor den Mund nimmt, volksnah und im Bereich Landwirtschaft ein Mann vom Fach ist. Andere halten ihn für ein aus der Zeit gefallenes Fossil, etwa beim Thema Klimaschutz, für den er in der rot-roten Regierung Schwesigs ebenfalls zuständig ist.
Unter anderem kippte Backhaus im vergangenen Jahr einfach mal die Klimaschutzziele des Landes. Statt – wie zuvor abgesprochen – spätestens 2040 soll Mecklenburg-Vorpommern nun erst 2045 klimaneutral werden. Klimaschutz müsse eben „mit Augenmaß und nicht mit der Brechstange durchgesetzt werden“, befand Backhaus.
Hering und Shrimps für den Wal
Der Grünen-Landtagsabgeordnete Harald Terpe hat dann zwar auch „Respekt“ vor der „langjährigen politischen Erfahrung“ von Backhaus. Insgesamt entstehe aber der Eindruck, dass Backhaus „zu oft aus dem Blick verliert, dass er nicht nur Landwirtschafts-, sondern auch Umwelt- und Klimaschutzminister ist“, so Terpe zur taz.
Aktuell ist er vor allem Walrettungsminister. Am Dienstagnachmittag ließ Backhaus die Welt wissen, dass der Wal in einem kritischen Zustand, aber vital sei. Es werde jetzt versucht, ihn mit Hering und Shrimps zu verköstigen. Fortsetzung folgt.






