
Ein bisschen Hilfe für Wale, die nicht Timmy heißen: Das Land Schleswig-Holstein hat eine Vereinbarung mit den Fischereiverbänden geschlossen, deren Mitglieder – freiwillig und gegen Bezahlung – Aufgaben im Arten- und Umweltschutz übernehmen können.
Das Abkommen ist Teil des „Aktionsplans Ostseeschutz 2030“, der vor zwei Jahren verabschiedet wurde. Bei einem Treffen in Kiel zogen Vertreter:innen der Naturschutzverbände mit Ministerpräsident Daniel Günther, Fischereiministerin Cornelia Schmachtenberg (beide CDU) und Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) eine erste Bilanz. Die fiel gemischt aus.
Das Binnenmeer Ostsee ist überdüngt und erwärmt sich schnell – diese Grundprobleme würden nicht deutlich genug angegangen, kritisiert das Bündnis der Ostsee-Naturschutzverbände, zu denen unter anderem der BUND und der Nabu zählen. So seien freiwillige Vereinbarungen mit der Landwirtschaft über Düngemittel-Einsparungen zu unverbindlich. Auch bei Ruhezonen, in denen weder Wassersport noch Fischerei erlaubt sind, hätten sich die Verbände noch mehr gewünscht.
Als Erfolg sehen die Naturschützer:innen dagegen das Abkommen mit den Verbänden der Kutter- und Küstenfischer:innen, das bereits unterzeichnet wurde. Fischerei sei ein „Herzstück der Küstenregionen und ein Symbol für die Identität Schleswig-Holsteins“, sagte Daniel Günther bei der Unterzeichnung des Abkommens in der vergangenen Woche. Aber die Fisch-Bestände sinken, gleichzeitig hat der Aktionsplan drei größere Meeresgebiete zu Sperrzonen gemacht, in denen nicht mehr gefischt werden darf.
Neues wirtschaftliches Standbein für die Fischer
Damit die Fischer:innen trotz geringerer Fänge ihre Boote betreiben können, bietet ihnen das neue Programm ein weiteres wirtschaftliches Standbein. So erhalten sie Geld, wenn sie Auflagen erfüllen, die dem Schutz von Schweinswalen und Tauchenten dienen sollen – diese Tiere ertrinken, wenn sie sich in Stellnetzen verfangen.
Eine Belohnung gibt es auch, wenn Fischkutter treibende Geisternetze aus dem Meer bergen oder sich am Küstenfisch- und Umwelt-Monitoring beteiligen. Das Programm ist auf zehn Jahre angelegt, das Land stellt 7,5 Millionen Euro bereit, also 750.000 Euro pro Jahr. Die größte Summe entfällt auf die Teilnahme am Wal- und Entenschutz: Boote erhalten 90 Euro pro Fangtag. Ob sich das Programm bewährt, will das Land in den Jahren 2031 und 2036 kontrollieren.
„Wir haben uns von Beginn an dafür eingesetzt, dass – wenn es einen Ausschluss von Fischerei gibt – auch Unterstützung für die Betroffenen sichergestellt wird“, so Fischereiministerin Schmachtenberg. „Wir stehen auch in schweren Zeiten an der Seite unserer Küstenfischerei und eröffnen neue Einkommensperspektiven im Bereich Umwelt- und Monitoringaufgaben.“
Eva Krautter, Nabu
Sina Clorius, Sprecherin des Bundes für Umwelt- und Naturschutz in Schleswig-Holstein, begrüßt das Abkommen: „Wir unterstützen die Idee, die Berufsfischerei zu sichern, indem man ihr ein zusätzliches Standbein durch bezahlte Umweltbeobachtungs- und Umweltbildungsmaßnahmen anbietet.“ In Mecklenburg-Vorpommern gebe es mit dem Projekt „Sea Ranger“ bereits ein erfolgreiches Vorbild. Die Hoffnung sei, dass Fischer:innen auf diese Weise noch mehr für die Natur sensibilisiert würden.
Aktuell seien Tauchenten, Robben und Schweinswale weiter in den Teilen des Meeres, die nicht als Schutzgebiete ausgewiesen sind, durch Stellnetze bedroht. „Eigentlich müssten diese Tiere gemeldet werden, wenn sie als Beifang aus den Netzen gezogen werden“, sagt Clorius. „Merkwürdigerweise sind die jährlichen Meldungen aus Schleswig-Holstein jedoch weitaus geringer als die aus Dänemark.“
Auch der Naturschutzbund freue sich, dass das Land passend zum Jahrestag des Aktionsplans das Abkommen mit den Fischereiverbänden geschlossen hat, sagt Sprecherin Eva Krautter. Die Vereinbarung erinnere an Vertragsnaturschutzmodelle, wie sie an Land zum Schutz etwa von brütenden Vögeln bekannt seien.
„Es ist wichtig, dass sich Fischerei und Naturschutz gemeinsam für die Ostsee auf den Weg machen.“ Denn wenn die Meerestiere eine Weile in Ruhe gelassen, Seegras aufgeforstet und die Schutzzonen respektiert würden, könnten sich auch die Fischbestände wieder erholen. „Die Natur hat die Kraft, sich zu regenerieren“, sagt Krautter.






